Teil eines Werkes 
1. Theil (1828)
Entstehung
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Schweſter, meine Geliebte, ſanfte Anna Dir gar nichts mehr?

O laß mich,⸗ rief Eduard:»ich kenne Euch, Ihr guten Menſchen, doch da ihr nicht ahnet, was ich leide, wuͤrde ich nur ein Schmerzensſohn in Eurer Mitte weilen. Beſſer, dies gluͤhende Herz, das das Theuerſte, das Einzige verlor, was die Erde ihm verſchoͤnern konnte, es waͤre untergegangen im Be⸗ wußtſein einer edlen That.

So ſprachen die Freunde noch lange zuſammen, da fuͤhlte Eduard erſt einen großen Schmerz an der linken Achſel. Wilhelm eilte ängſtlich, die Stelle zu unterſuchen und er fand den Arm und die Achſel ge⸗ ſchwollen und ſtark entzuͤndet; jetzt erſt erinnerte ſich Eduard, daß ein ſtarker Balken, der herabgeſtuͤrzt war, ihn hierher getroffen habe. Wilhelm rief die Wirthin und bat um lindernde Mittel, die dieſelbe nun auch ſchleunigſt herbeiſchaffte. So wenig ge⸗ fährlich die Wunde auch war, ſo empfindlich war ſie doch, und die Freunde, welche ſich vorgenommen hatten, den andern Tag noch nach Koͤlln zu reiſen, wo ſie Briefe von Hannover erwarteten, waren ge⸗ zwungen, in dem Stäͤdtchen zu verweilen. Den ganzen Tag uͤber mußte Eduard das Bette huͤten. Wilhelm wich nicht von ſeinem Lager. Die Mutter des geretteten Kindes fand ſich mit ihrem Manne ein und dankten in ihrer herzlichen Einfalt mit ruͤh⸗ renden Worten dem verwundeten Juͤngling, der ſo großmuͤthig ſein Lehen in die Schanze geſchlagen

Die Intrigue. 1. 6