Teil eines Werkes 
1. Theil (1828)
Entstehung
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Gemuͤth mehr anſpricht, ſo beduͤrfen wir keines wei⸗ tern Streites.

Gut, gut! rief Wolframm:wenn nur die⸗ ſer gemuͤthanſprechende Kultus nicht ſo leicht ver⸗

dreht, verdorven, verfälſcht, und ſo zum gemuͤth⸗ abſtoßenden werden koͤnnte, und, wir dre Erfahrung

lehrt, geworden iſt.

Freund, das Hoͤchſte und Schoͤnſte in der mög⸗ lichſt vollendeten Geſtalt iſt ſeiner Natur nach ſchon ſo bedingt, daß es leicht durch Mißverſtand zum Schlechtſten werden kann. Ein moraliſcher Boͤſewicht har einen kurzern Weg zur hoͤchſten Tugend, als der gewoͤhnliche Menſch, denn fuͤr dieſen iſt ſie un⸗ erreichbar. Alſo haben Sie in dem Verderben, das die katholiſche Religion geſtiftet hat, einen Beweis ihrer Herrlichkeit, die nur durch Mißverſtand und

Bosheit der Welt zum Graäuel wurde. Sagen Sie

ſelbſt, hat der evangeliſche Kultus etwas Erheben⸗ des, Ergreifendes? Ein nuͤchterner Geſang und eine ſchlechte Predigt ſind oft Alles, was einem gott⸗ ſuchenden, nach heiligem Gebet und begeiſterndem Anſchauen des Goͤttlichen duͤrſtendem Herzen geboten wird. Treten Sie hingegen in die majeſtätiſche Woͤl⸗ bung eines hohen Doms, aus dem Ihnen mit rau⸗ ſchenden Toͤnen das Hochamt entgegenſchallt, wie ganz anders wird da Ihr Gemuͤth bewegt, wenn es noch einer innigen ruͤhrenden Regung faͤhig iſt. Schon vorbereitet werden Sie, wenn des Doms uralte Rie⸗

ſengeſtalt ſo ernſt Sie anſchaut, als wolle er Ihnen