Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

278

Mylord, ſagte dieſer,mein Vaterland iſt Nea⸗ pel. Dort wird auch der Karneval geboren, dort ſprudelt die Freude aus dem Becher, wie ein heißer Waſſerſtrahl aus der Erde hervorbricht. Ich bin ge⸗ kommen, Ihnen die Karnevalsfreude zu bringen, die noch in dieſen Sälen fehlt. Wohl ſeh' ich ſchöne Masken hier, aber die ſteife, engliſche Gentry guckt überall durch, und nur Erins Söhne tummeln ſich im fröhlichen Tanz, oder ſtreifen, ſich und noch mehr die hölzernen Goddams neckend, umher; aber ihre Un⸗ gebundenheit verliert ſich unter dem Druck engliſchen Stolzes. Wohlan, es ſoll anders werden, und der tolle Jubel meines Vaterlandes dieſe Räume durch⸗ hallen!

Er winkte mit dem in ſeiner Hand befindlichen Stabe, und augenblicklich öffneten ſich die Flügelthü⸗ ren des großen Saales, und ein Zug neapolitaniſcher Fiſcher in ihrer maleriſchen Tracht bewegte ſich paar⸗ weiſe herein. Die Männer trugen die Attribute ihres Standes, die Frauen hatten zierliche Körbe mit Süd⸗ früchten am Arm, die ſie, durch die Zimmer wanbelnd, an die Anweſenden verſchenkten. Am Vicekönig vor⸗ überſchreitend, verneigten ſie ſich, und eine hervortre⸗ tende, hohe Frau überreichte ihm ſtumm einen blut⸗ rothen Granatapfel. Dann ſtellten ſie ſich zu einem neapolitaniſchen Kontretanz an, den ſie in luſtigen Sprüngen unter Jauchzen und der Begleitung des Tambourins, des Triangels und Schellengeläutes glück⸗ lich nachahmten. Wirklich hatte ſich mit ihrem Er⸗ ſcheinen ein regeres Leben entfaltet; Alles drängte ſich um ſie, und muntre Scherze flogen von ihnen aus durch den Saal.

Wie gefällt Ihnen der Zauber, den ich hervor⸗ gerufen, Mylord? fragte der Ritter den Vicekönig.