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zen, muß ich Sie erinnern, daß es Ihr eigner Vor⸗ theil und der unſers gnädigſten Königs und aller hier betheiligten Engländer iſt, wenn Sie ungeſäumt, die⸗ ſen Abend noch, meine Bitte erfüllen,“ ſagte Kildare mit Angſtſchweiß auf der Stirn.
„Ich glaube gar, Sie wollen mir drohen? Wiſ⸗ ſen Sie, mit wem Sie reden, Mylord? Mit des Königs Statthalter, der die Macht hat, jede Unbill zu beſtrafen, ſie ſei von welcher Art ſie wolle.“
„Gerade weil ich weiß, wie ausgedehnt Ihre Voll⸗ macht iſt, lege ich Ihnen dieſe Sache ſo dringend ans Herz. Gerade weil ich weiß, daß der König in die⸗ ſem Falle begnadigen würde, verlange ich dieſe Be⸗ gnadigung von Ihnen, ſeinem Statthalter.“
„Soll ich Sie noch einmal daran erinnern, daß Sie Sir Lewis O'Donnels Ankläger ſind, daß ich allein durch Ihre Denunciation von den ſtaatsver⸗ rätheriſchen Umtrieben dieſes jungen Mannes in Kennt⸗ niß geſetzt wurde, daß Sie Alles aufboten, um Jenen zu verderben, und die Motive Ihrer dahin bezüglichen Handlungen mir keineswegs aus Ihrem Patriotismus allein hervorzugehen ſchienen? Sie haben Ihr Ziel erreicht; D'Donnel harrt ſeinem Urtheilsſpruch entge⸗ gen, und da er nichts zu ſeiner Vertheidigung vorzu⸗ bringen weiß, ſo wird ſein Haupt fallen, wie das al⸗ ler Verräther. Was wollen Sie nun mit Ihrer Bitte um Freigebung des Verbrechers, die gar nicht in mei⸗ ner Macht ſteht, da O'Donnel dem Geſetze verfallen iſt? Regt ſich etwa Ihr Gewiſſen, Mylord?“
„Mögen meine Motive ſein, welche ſie wollen,“ verſetzte Kildare zitternd und mit wahrer Todesangſt, „ich habe die Ueberzeugung, daß ich meinem Vaterlande diene, und ich frage Sie deshalb, iſt dies Ihr letztes Wort, Excellenz?“


