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Schickſal lag wie ein herzdrückender Alp, ein blut⸗ ſaugender Incubus, über dieſen Räumen.
Der Lord Statthalter hatte ſich die Maske eines altrömiſchen Feldherrn gewählt, eines Konſul in der purpurgeſtreiften Toga praeterta, unter welcher eine prächtige geſtickte Tunika hervorſah; ein Helm zierte ſein Haupt. Die Hand auf den Feldherrnſtab geſtützt, ſtand er an einem der Buffets, die in verſchiedenen Zimmern eingerichtet waren, und blickte, ſelbſt ſtill und nachdenklich geworden, in ein vor ihm ſtehendes ge⸗ leertes Glas: da nahete ihm, der ſich der Larve ent⸗ ledigt, ein koſtbar gekleideter Grieche in Pallium und Chlamys, nahm ebenfalls die Maske ab— und Lord Kildare ſtand Lord Corhampton gegenüber.
Nach der erſten ceremoniöſen Begrüßung redete der Erſtere auf den Letztern leiſe doch eindringlich hinein: „Mein theurer Lord, ich kann nicht umhin, Ihnen meine Bitte noch einmal vorzutragen und um ſo nach⸗ drücklicher ans Herz zu legen, da ich wirklich ent⸗ ſchloſſen bin, mich nicht von Ihnen abweiſen zu laſ⸗ ſen. Heute, am Feſte der Freude, ſehen Sie Sir Lewis O'Donnels Angelegenheit, die ich zur meinigen gemacht habe, gewiß in einem ganz andern Lichte an, und Sie werden jetzt weniger ſchwierig ſein, wir ſeine Freilaſſung zu bewilligen.“
Der Statthalter hatte die buſchigen Brauen finſter zuſammengezogen und erwiderte ernſt, faſt im Tone der Entrüſtung:„Mylord, Sie werden mir immer un⸗ begreiflicher! In der That, es gehört viel dazu, mich noch einmal mit dieſer wunderlichen Bitte anzugehen, nachdem ich mich ſo beſtimmt gegen Sie erklärt habe. Wahrlich, nur Ihr Stand hält mich ab, Ihr Beneh⸗ men beim rechten Namen zu nennen, Lord Kildare!“
„Selbſt auf die Gefahr hin, Ihren Zorn zu rei⸗
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