Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

258

gelangt, vertraulich zu ihrem Gegenüber,Du kannſt errathen, was ich mit Dir über Sir Lewis O'Don⸗ nel zu reden habe. Seit der Stunde, wo ich ſeine Verhaftung erfuhr, wird meine Seele von banger Un⸗ ruhe gemartert. Das zwiefache ungeheure Unglück, den edlen Baronet gefangen und meinen Vater ihm als Ankläger gegenüber zu ſehen, drohete mich zu überwältigen und zu vernichten. Aber in heißen Ge⸗ beten meiner ſchlafloſen Nächte hab' ich mich empor⸗ gerungen und bin Siegerin über mein Schickſal ge⸗ worden. Klar und ſtrahlend wie eine Sonne iſt die Ueberzeugung in mir aufgeflammt, daß ODonnel aus den Händen ſeiner Feinde gerettet, und daß ich ſeine Retterin ſein muß. Ja, dieſe Wahrheit hat mich ſo durchdrungen, daß ich ſie als eine göttliche Sendung anſehe. Aber ich kann nicht allein handeln, ich bedarf meiner und ſeiner Freunde zur Unterſtützung. Nie⸗ mand ſteht dem theuern Manne näher, als Du, mein Freund, und ich habe vor Ungeduld kaum den Au⸗ genblick erwarten können, der mir vergönnte, Dich ſicher vor Verrath zu ſehen und zu ſprechen. Mein Vater iſt nach Dublin, und auch die, die ich außer ihm zu fürchten habe, ſind fort; wir haben Raum zum Handeln.

Gnädigſte Lady, haben Sie vielleicht ſchon einen Plan zur Befreiung Sir Lewis'? fragte Mic.

Hunderterlei Pläne haben meinen Kopf durch⸗ kreuzt, doch haben mich Unruhe, Sorge und das raſt⸗ loſe Arbeiten meiner aufgereizten Phantaſie noch mit keinem in's Klare kommen laſſen. Ich bedarf auch dazu der ruhigen Berathung mit einem beſonnenen Manne.

Mein Schickſal gleicht dem IZhrigen, Mylady; auch meine Seele hat ſich mit nichts, als mit Sir