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gernd weilte die Sonne, gleichſam als wolle ſie mit der Enthüllung des großartigen Schauſpiels, welches die Küſtenbewohner heute erblicken ſollten, ſo lange warten, bis auch der letzte Langſchläfer das weiche Lager verlaſſen hätte.
Endlich aber ſtrahlte ſie im vollen Glanze über den Felſen von Bantry und das winterliche Gebirge; wie durch einen Zauberſchlag war die Ausſicht frei, und vom höchſten Erſtaunen gefeſſelt erblickten die Bewohner der Geſtade fern auf der hohen See die mächtige Flotte, die ſtolz, mit vollen Segeln die Frei⸗ heit verheißend, aus Südweſten heranzog. Da leuch⸗ teten auch O'Donnels Augen wie feurige Sterne. So weit ſein Blick reichte, war das Meer mit einem Wald von Segeln bedeckt, und fortwährend zogen neue Fahrzeuge, keck, wie weiße Schwäne, am Horizont herauf, ſich dem weiten Halbmonde anzureihen, in welchem die Flotte, noch in Entfernung vieler Mei⸗ len, auf die Küſte losſteuerte.
„In des Vaterlandes Namen heiße ich euch, Fremdlinge, willkommen, die ihr als Retter und Be⸗ freier aus niedriger Sklaverei heranzieht!“ rief der von Begeiſterung glühende Jüngling, die Arme aus⸗ breitend auf ſeinem hohen Standpunkte.„Seid auch mir als Bundesgenoſſen willkommen, die ihr mir
Gelegenheit gebt, die Schmach des durch fremde Ty⸗
rannei zur Dürftigkeit herabgeſunkenen Sprößlings eines ſonſt ſo mächtigen Stammes durch irgend eine glänzende That von mir abzuwaſchen! Hinweg mit der letzten Spur des Gefühls, das mich unter dem Titel„Loyalität“ ſo ſklaviſch der uſurpatoriſchen Ge⸗ walt der britiſchen Krone unterwarf! Blicke herab, du mein edler, von den Satrapen der Tyrannei ſo ſchändlich gemordeter Vater, auf den verachteten Sohn;


