Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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Mitternacht war längſt vorüber, als er ſich durch einige Stunden Schlaf für das bevorſtehende, große Werk zu ſtärken gedachte; wilde, verworrene Träume ſchreckten ihn bald wieder auf, und noch lange, ehe der Morgen graute, ſtand er am Fenſter ſeines höch⸗ ſten Gemaches, das eine weite Ausſicht über das Meer gewährte, mit heißer Sehnſucht den erſten Strahlen der aufgehenden Sonne entgegenharrend.

Noch lag Land und Meer in dichten Nebel ge⸗ hüllt, der, zu einer einzigen Fläche verſchmolzen, ſich wie eine unabſehbare Wüſte vor ſeinen Blicken aus⸗ breitete. Doch bald begann ſich das düſtere Grau in große, wogende Maſſen aufzulöſen. Gleich Berg und Thal wälzten ſie ſich auseinander, während einige zum Himmel aufſtrebten, andere ſich in Geſtalt ſchwerer Wolken auf die höchſten Grpfel der Berge lagerten. Aus dem lautloſen, chaotiſchen Treiben leuchteten zu⸗ erſt die Spitzen der höchſten Felſen in ſichern Umriſſen hervor, dann das niedere Land mit den Vorgebirgen Dunmannus und Crow, die ſich wie zwei felſige Rie⸗ ſenarme weit in das Meer hinausſtrecken, um Ban⸗ try's ſteinerne Bruſt in des Oceans kühlen Gewäſſern zu baden, bis endlich auch tief unten in der düſtern, von Felſen umgürteten Bay zu ſeinen Füßen die Bä⸗ reninſel ſichtbar wurde, auf welcher die Schatten der Nacht am längſten verweilten.

Am grauen Felſen erblickte man ſchon den weißen Schaum der raſtlos kämpfenden Brandung, und im Hafen flatterten ſtolz über einer ſinkenden Nebelſchicht die wallenden Wimpel der engliſchen Kriegsſchiffe im friſchen Morgenwinde. Doch der Rumpf derſelben mit den drohenden Kanonenpforten war dem Auge noch verborgen, und auch jenſeits der Bay blieb der Hori⸗ zont noch eine Zeit lang den Blicken verſchloſſen. Zö⸗