Teil eines Werkes 
1. Theil (1855)
Entstehung
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vergangen, und dieſe ſtößt ſie aus. Das freventlich verletzte Geſetz verlangt gebieteriſch Sühne.

Nicht doch, mein Vater! Das Geſetz iſt ein todter Buchſtabe, nicht Rückſicht nehmend, auf die hei⸗ ßen Gefühle und Leidenſchaften, auf ihre Verflechtun⸗ gen und Reſultate in der menſchlichen Bruſt. Aber das Erbarmen wohnt auch darin und iſt warm und lebendig, eine duftende Blume, deren Kelch das Herz iſt, bethaut von Thränen des Mitleids. O mein Vater, der Same dieſer göttlichen Blume ruht gewiß auch in Ihrer Bruſt, wie in der meinigen; ich wäre ſonſt Ihre Tochter nicht. Nur Unkraut iſt darüber gewachſen, der Boden iſt nicht locker genug für das edle Gewächs. Reißen Sie das Unkraut heraus, be⸗ bauen Sie das innere Feld, geſtatten Sie, daß die Thräne Ihres einzigen Kindes es anfeuchte, und die Blume wird bald üppig und friſch aufſprießen und geſegnete Früchte tragen. Sie reden von der beleidig⸗ ten Geſellſchaft, an welcher dieſe Menſchen gefrevelt; o, die große Maſſe des Volks urtheilt anders über ſie, als die Hand voll Edelleute, gegen welche die Erbit⸗ terten ankämpfen! Die Welt ſieht in ihren Verbre⸗ chen nur einen verzweifelten Nothſchrei der niederge⸗ drückten Menſchheit, ein tolles Aufraſen gefeſſelter, entwürdigter Kräfte, die, dem Erſticken nahe, ſich nun ſelbſt Luft gemacht. Auch iſt ihre Schuld geſühnt. In den Klüften der Teufelsmauer iſt durch Wexfords Schwerter genug Blut gefloſſen in dieſer fürchterlichen Nacht. Die Verwegenſten ſind gefallen, haben ihre böſe That nicht lange überlebt. Laſſen Sie ſich dar⸗ an genügen, mein Vater. Treiben Sie es nicht wei⸗ ter! Jagen Sie die Uebriggebliebenen nicht auf die äußerſte Spitze der Verzweiflung, um Ihr, um unſer aller Heil willen nicht! Denken Sie daran, weſſen