Teil eines Werkes 
1. Theil (1855)
Entstehung
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deſſen einfacher, aber geſchmackvoll gewählter Reiſean⸗ zug verrieth, daß er den höhern Ständen angehörte; genug für dieſesmal, mein Brauſewind! Sparen wir unſere Kräfte lieber für die Zukunft auf; wer weiß, wie ſehr wir derſelben bedürfen!

Und immer weiter ritt er durch das Gewirre der das Dörfchen umgebenden Hecken und Gräben, mit denen er recht wohl bekannt zu ſein ſchien, und ließ ſein ſchönes, gutmüthiges Auge bald über die na⸗ hen Felder gleiten, bald auf den Hütten ruhen.

Um ſeinen edel geformten Mund zitterte ſchmerz⸗ liche Wehmuth, da er dort die Reſtchen dürftigen Ha⸗ fers und das kümmerliche Laub der Kartoffeln, dieſer dem Irländer ſo unentbehrlichen Frucht, erblickte, Zeugen, daß der Acker ſchlecht bearbeitet, daß es am nöthigen Stroh zum Dünger fehle und der Zehnten des Lehnsherrn ſtreng genug eingefordert werde; aber ſein Auge füllte ſich mit der Thräne des Mitgefühls, indem er die ruinenartigen Hütten in der Nähe be⸗ trachtete, deren einige unter der Wucht des faulenden Daches, welches, in Ermangelung des Strohes mit Raſenſchollen bedeckt, in der Mitte tief auf die zer⸗ brochenen Sparren hinabgeſunken war, den baldigen Einſturz drohten.

So hatte er denn, mit bittern Gefühlen kämpfend,

endlich den Eingang des Dorfes erreicht; um ſo über⸗

raſchter hielt er ſein Pferd an, als plötzlich Töne der

Freude, die er hier am wenigſten erwartet hatte, Muſik und lauter Jubel ſein Ohr trafen. Vor einem, faſt am entgegengeſetzten Ende der Hüttenreihe gelege⸗ nen Häuschen, daß ſich durch den weißen Anſtrich ſeiner Wände vor den übrigen auszeichnete und durch das über der Thüre hängende Schild als Schenke des Orts kund gab, wogte ein fröhliches Gewühl trinkender

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