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ſeiner Schmerzen, die Vertreiber ſeiner Verzweiflung. Wenn ihn der Unmuth zu übermannen drohete, pfiff er ſeinen Mäuſen.
Hernach wenn Leute kamen und ihn baten, ihm auch wohl ein Geſchenk reichten, damit er ſich Wein und gute Eßwaaren kaufen möchte, ſo ſetzte er eine Schachtel auf den Boden, worin er oben ein kleines rundes Loch geſchnitten hatte. Hierauf pfiff er, da kamen die Mäuſe hurtig und krochen durch das Loch in die Schachtel, bis ſie voll war. Dann machte er den Deckel auf und zeigte die zuſammengeballten Mäuſe
den Unmſtehenden.
Als der fromme furchtſame Chriſtian der Sechste
zur Regierung kam, wollte er ſeine Frömmigkeit auch
an Norcroß beweiſen. Der Commandant mußte dem Kapitän vorſchlagen, wenn er ein eidliches Document unterſchreiben wolle, worin er ſich rerpfichte ſich nie⸗ mals an Dänemark zu rächen, inſofern er einmal ſeine völlige Freiheit wieder erhielte, ſo ſolle der Bauer hinweggenommen werden und er das Zimmer zum Gefängniß erhalten. Aber Norcroß ballte die Fauſt und rief:„Eher will ich im Vogelbauer ſterben, als eine ſolche Schmachſchrift unterſchreiben“.— Da fürchtete ſich der neue fromme König wiederum ſehr, und Norcroß blieb im Bauer.
Eines Tags trat eine ſchwarz gekleidete hohe Frauengeſtalt in Begleitung eines Mannes in das Zimmer und vor den Käfig. Norcroß ſtarrte ihr in's Geſicht und ſagte faſt beſtürzt:„Friederike!“
„Kennt Ihr mich, Unglücklicher?“ lächelte die Dame ſchmerzlich.„Müſſen wir ſo uns wiederſehen?“
„Ja, mein Fräulein, da ſitz' ich nun in meinem eignen Schloſſe, an dem wieder ein halbes Dutzend Schlöſſer hängen, mit einer königlichen Gnadenkette geſchmückt, die mich an der freien Bewegung hindert,


