Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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nigliche Reſeript lautete: der Polizeimeiſter in Kopen⸗ hagen ſolle ſie in einem Boot nach Schonen über⸗ führen laſſen, dazu ſollte ihr etwas Geld zur Reiſe mitgegeben werden, mit dem ſtrengen Befehl, daß ſie das däniſche Reich bei Strafe eines ewigen Gefäng⸗ niſſes nie wieder betreten ſolle. Dina wurde mit ihrem Kinde auf einem Fahrzeuge nach Landskrona gebracht. Sie hat den Gatten nie mehr geſehen.

Die erſten Jahre über wurde Niemand zu dem Gefangenen gelaſſen. Später erlaubte man Hofleuten, den ſeltſamen Vogel in ſeinem Käfig zu rerhöhnen. Da ging denn das vornehme Volk um den Bauer herum und begaffte und bewitzelte den wilden Mann darin. Er that als ſäh' und hörte er's nicht. Nach⸗

her verlangten auch andere Leute aus beſſern Abſich⸗ ten dieſelbe Vergünſtigung und erhielten ſie; nach drei Jahren, als der König todt war, wurde Jedermann 3 erlaubt, den berüchtigten Freibeuter in ſeinem Vogel⸗ bauer zu ſehen, und die Menſchen ſtrömten haufen⸗ weiſe dahin.. Die Meiſten ergötzten ſich an des Freibeuters merk⸗ würdiger Geſellſchaft im Käfig. Er hatte nämlich in ſeiner Einſamkeit ſich die Zeit damit vertrieben, Mäuſe, die ſich unter dem Boden des Vogelbauers ihr Neſt gebaut, zu füttern und aufzuziehen. Die Jungen that 5 er in eine Schachtel, bis ſie zahm waren, hernach ließ 3 er ſie um ſich herum laufen. Dies Völklein vermehrte ſich bald und er hatte ihrer täglich über ſechzig zu 1 ernähren. Sie hatten ſich ſo an ihn gewöhnt, daß,

wenn er ihnen mit dem Munde pfiff, ſie ſchnell aus allen Löchern hervorgerannt kamen, und rings im Kreiſe um ihn herum ſtanden. Dieſe Thierchen ge⸗ wann Norcroß immer lieber, während er die Menſchen immer mehr haßte und verachtete. Sie waren ſeine Freunde, ſeine täglichen Geſellſchafter, die Verſüßer