Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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des grünen Gartenſalats, und Norcroß gab vor, daß er ein großer Freund davon ſei. Er bat alſo, man möchte ihm täglich für zwei Stüber Salatkraut, Eſſig und Oel bringen, er wolle ſich den Salat dann ſelbſt bereiten. Vorzüglich wünſchte er viel Oel. Man will⸗ fahrte ihm; Niemand ſchöpfte daraus Argwohn. Nun zerſchlug er ſeinen Waſſerkrug, jedoch ſo, daß die untere Hälfte ganz blieb; die Scherben der obern Hälfte warf er dem Profoß hin, und dieſer trug ſie weg, ohne ſie weiter anzuſehen und brachte einen neuen Krug. In der unteren Scherbe ſammelte Noreroß nun alles Oel, welches er zum Salat empfing, und dieſen ohne Oel. Die Scherbe verbarg er ſorg⸗ fältig unter der Pritſche. Dann forderte er ein Stück grüne Seife, um ſich damit zu waſchen, und auch dies wurde ihm verabreicht. Als er nun des Oels genug hatte, entkleidete er ſich ganz und wuſch ſich erſt mit Waſſer und Seife, wobei er die Seife ganz dick auf⸗ trug, hernach beſchmierte er ſich den Körper vom Kopf⸗ wirbel bis zur Ferſe mit Oel; hinter den Ohren und auf den Armen trug er dann noch einmal Seife auf, ſo daß er ſo glatt und ſchlüpfrig war, wie ein Aal. Nachdem er dies vollbracht, hing er ſeinen Rock ganz los über die nackten Schultern und knöpfte ihn oben am Halſe zu. Ueber den Rock hing er einen alten Rockelor, in welchem er zu ſchlafen pflegte.

In dem Gange vor ſeinem Gefängniß hatte ſtets

ein Officier mit ſechs Mann die Wache, und alle Tage, Nachmittags um drei Uhr, mußte ein Juſtiz⸗ Sergeant in das Gefängniß, um nachzuſehen, ob noch Alles unbeſchädigt und im vorigen Zuſtande ſei. Der Sergeant war ein alter, kraftloſer Mann und dies Geſchäft ſeine einzige Dienſtverrichtung. Der wache⸗ haltende Officier mußte ihm dazu jedesmal das Ge⸗ fängniß auf⸗ und zuſchließen.