Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

231

ſcheußlicheres Gefängniß, als ſein früheres, geworfen. Eine Unterſuchungsbehörde wurde ſeinetwegen geſchaf⸗ fen, als deren Präſident der Geheimerath von Rgben fungirte. Nachdem er über Jahr und Tag von dieſer Commiſſion inquirirt worden war, und nichts geſtanden

hatte, ſprach die Oberbehörde auf die Ausſagen der

gegen ihn aufgeſtellten Zeugen das Todesurtheil über ihn aus, als einen Menſchen, der an Bosheit und Gottloſigkeit nicht ſeines Gleichen habe. Der König milderte dieſes Urtheil auf unabläſſiges Bitten der Gattin des Geheimenraths von Raben in die Formel: obgleich Delinquent ſeiner groben Verbrechen gegen drei Könige wegen in jedem andern Lande von Hen⸗ ters Hand vom Leben zum Tode gebracht worden ſein würde, ſo wolle des Königs von Dänemark Majeſtät doch Gnade für Recht an ihm ergehen laſſen und ihm

eine lebenslängliche Gefängnißſtrafe zuerkennen.

Hierauf wurde er in ein feſt verwahrtes, aber helles und der friſchen Luft zugängliches Zimmer ge⸗ ſetzt. Nie erfuhr er, daß Roſamunde ſeine Lebens⸗ retterin war, ebenſowenig, daß die vier Stüber, welche

er täglich zu ſeinem beſſern Unterhalt erhielt, von ihr

kamen.

Kaum hatte Norcroß einige Wochen in ſeiner Kam⸗ mer geſeſſen, als der allmächtige Drang nach Freiheit wieder in ſeiner Bruſt ſo ſtürmiſch aufloderte, daß er aus Sehnſucht krank wurde. Es gab für ſein unru⸗ higes, heftiges Gemüth nichts Schrecklicheres als die Grabesruhe des Gefängniſſes. Er kannte nur ein höchſtes Gut: Freiheit; er hatte nur ein Verlangen: Freiheit; er hatte nur einen Gedanken: Freiheit; er träumte nur einen Traum: Freiheit!

Noch einmal winkte ihm der Engel mit dem grünen Kranze. Liſt, die einzige glückliche Bekämpferin der Gewalt, kam ihm wieder zu Hülfe. Es war die Zeit