228
aus jedem Kerker, aus jedem Bande frei zu machen; er habe ſeine Seele ſelbſt dem Teufel verſchrieben und dieſer helfe ihm gewiß. In dieſer abergläubiſchen Furcht beſtärkte Norcroß ſeine Umgebung durch ſchlaue, hingeworfene Aeußerun⸗ gen noch mehr. Schon unterwegs hatte er öfters ge⸗ droht, er werde ſich doch frei machen, und wenn ſie ihn in Ketten ſchmieden ließen, und auf der Wache ſagte er, es ſei ihm ein Leichtes, die ſchwerſten Eiſen zu zerbrechen, und jeden Augenblick, wenn er nur wollte, auf freien Fuß zu kommen. Die Thoren ſahen nicht, daß ihre Furcht und ſtets wachſame Beſorgniß den unglücklichen Mann ergötzte und ihm einige heitre Augenblicke verſchaffte. Der Generalmajor Juel ließ ihn in die Kapitänsſtube ſetzen, anſchließen und mit drei Mann vom holſteiniſchen Regiment und einem Lieutenant bewachen. Außerdem ſtand Tag und Nacht noch eine beſondre Schildwache mit bloßem Degen zu Häupten der Pritſche, an welche er gefeſſelt war. Nichtsdeſtoweniger wurde er alle Morgen genau unterſucht, ob es ſeiner Teufelskunſt nicht etwa ge⸗ glückt ſei, ſich ein Inſtrument zu verſchaffen, womit er ſeine Ketten zerbrechen könne. Und all' dieſer Maß⸗ regeln ungeachtet, erwartete der Commandant und die ganze Beſatzung der Feſtung alle Morgen die Nach⸗ richt zu erhalten, Kapitän Norcroß ſei in der Nacht mit des Teufels Hülfe zum Fenſter hinausgeflogen. Nach einigen Verhören in Glückſtadt, die von einer eigends dazu verordneten Commiſſion geleitet wurden, ſollte Noreroß unter ſicherer Bedeckung nach Kopen⸗ hagen gebracht werden. Jedermann fürchtete ſich, dieſen Befehl zu vollziehen, da wandte ſich der Ge⸗ neralmajor an den Lieutenant Kreuz, und dieſer über⸗ nahm das ſchwierige Geſchäft mit Freuden. Es war


