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„Ihr ſeid ſehr gütig, Herr, meiner Wenigkeit hal⸗ ber ein Feſt zu geben.“
„Wenn König Karl von Schweden noch lebte, ſo wäre Ew. Gnaden jetzt Schvut⸗by⸗Nacht oder Vice⸗ Admiral, vielleicht gar Admiral der Flotte, und nichts Geringeres hätten Euere Heldenchaten verdient. Wirth, ſchafft den beſten Wein aus Euerm Keller! Setzt auf, daß ſich die Tiſche biegen.“
„Aber, mein Herr, mit wem hab ich die Ehre, hier bekannt zu werden?“ fragte Norcroß.
„Ich heiße Kreuz und war einmal Lieutenant unter dem Regimente Prinz Karl, welches jetzt das Lalan⸗ diſche heißt. Hab' auch Manches durchgemacht; frei⸗ lich, zu ſolcher Berühmtheit des Namens hab' ich's nicht gebracht. Doch können wir einander ſchon etwas erzählen.“
Erzählen war nun eben Norcroß' Leidenſchaft. Beim beſten ſpaniſchen Weine ſaßen ſie zuſammen und tranken und erzählten bis in die ſpäte Nacht. Kreuz ſchimpfte wacker mit auf die Dänen und auf den dä⸗ niſchen Dienſt, auf König und Regierung, und dadurch fühlte ſich Norcroß noch mehr zu ihm gezogen, und als die beſten Freunde ſchieden ſie von einander.
Am andern Morgen ſuchte Kreuz Norcroß in ſei⸗ nem Quartier auf; ſie gingen zuſammen, fuhren zu⸗ ſammen, aßen und tranken zuſammen, und wie ſie's heute getrieben, ſo trieben ſie's morgen und alle Tage. Norcröß befand ſich wohl dabei, das Leben koſtete ihm nichts, und Kreuz ſchwatzte ihm vor, er habe, als ge⸗ borner Holländer, Einfluß bei den Generalſtaaten, und wolle ihm zu einer guten Anſtellung verhelfen. Nor⸗ croß faßte ein ſolches Zutrauen zu Kreuz, daß er dem⸗ ſelben ſein ganzes Herz offenbarte.
So verſtrich die Zeit, bis der Spion von Kopen⸗ Storch, ausgew. Romane u. Novellen. KlIM. 15


