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immer heiterer. Er ließ ſich Wein geben und ſprach viel mit ſeinem Gegenmann. Plötzlich ſagte Einer der Umſtehenden, wie von ohngefähr:
„Kapitän Norcroß, Ihr habt heute viel Glück.“— Da blickte ihn Kreuz wie hoch verwundert an, und ſagte mit ſcheinbar freudigem Erſtaunen:„Haben meine Ohren recht gehört? Wie? Ich hätte wirklich die Ehre, mit dem berühmteſten aller Seefahrer auf unſrer Weſtſee, mit dem Kaperkapitän Norcroß zu ſpielen?“
„Ich bin John Norcroß, vormals ſchwediſcher Ka⸗ perkapitän“, ſagte dieſer geſchmeichelt. Kreuz ſtand ſogleich auf und machte die Honneurs ſo devot, als ob er vor dem Könige ſtände.„Welch' hohes Glück iſt mir widerfahren! Mordelement, das hätt' ich mir nicht träumen laſſen, daß ich mit dem Manne, den ich ſo hoch verehre, zum Spiel käme! Herr, ich hab' Euere Thaten ſtets bewundert, erlaubt, daß ich Euch meine vollkommenſte Hochachtung an den Tag lege. Die Ehre, welche mir heute widerfährt, muß auf ab⸗ ſonderliche Art gefeiert werden. Mordelement! Ich kenne mich vor Freuden nicht. Kapitän John Nor⸗ eroß, erlaubt, daß ich den Zipfel Eueres Rockes küſſe!“
„Macht doch nicht ſolche Umſtände, Herr“, ver⸗ ſetzte Norcroß immer mehr geſchmeichelt— war doch die zweifelhafte Berühmtheit ſeines Namens das Ein⸗ zige, wovon ſein niedergedrückter Geiſt noch zehrte.—
„Darf ich mich unterſtehen, Euch, hochverehrter Herr Kapitän, zu einem kleinen Feſte einzuladen, wel⸗ ches ich, vor Freuden über das Glück, ſo mir heute durch die Bekanntſchaft mit Euerer berühmten Perſon widerfahren iſt, allen hier Verſammelten zu geben mich gedrungen fühle?“


