Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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mals das Fenſter zurück und flüſterte hinaus:Ich hab' ihn richtig eingekreiſt; er ſteckte am Berge in einem ſchlechten Loche, wo ich ihn freilich nimmer ge⸗ ſucht hätte; aber jetzt ſitzt er feſt und freut ſich des Baaren, das wir ihm haben zufließen laſſen. Wir ſind ſchon die beſten Freunde.

Mordelement! rief Lieutenant Kreuz, und ſtrich ſich vor Freude den ungehenern Schnauzbart,das iſt ein Gaudium, daß uns dieſer Burſche in's Garn gelaufen iſt. Daran kann ich was verdienen und für Dich bleibt noch genug übrig, um vier Wochen lang in Saus und Braus zu leben. Aber Du mußt Dei⸗ nem Meiſterſtück die Krone aufſetzen. Komm ſchnell heraus, ſchlechte Seele! Du ſollſt mir ſogleich einen Brief an den Großkanzler von Reventlau in Kopen⸗ hagen ſchreiben und demſelben berichten, daß Norcroß hier in Hamburg iſt; wenn ſie ihn drüben haben wollten, ſo würd' ich ihn feſtnehmen und hinüber⸗ führen laſſen. Verſtanden? Und mit dem Brief ſetzeſt Du Dich zu Pferde und reiteſt was Du kannſt, und reiſt durch Holſtein über Fünen nach Seeland. Und wenn Dir das Pferd zufammenbricht, ſo kauf' ein andres. Geld ſollſt Du mit auf den Weg haben, ſo viel Du brauchſt, und noch mehr.

Der Spion ging und jagte nicht lange nachher auf einem muthigen Hengſte nach Altona zu.

Kreuz aber warf ſich in ſeine Staatsuniform, ſetzte die beſte Perücke auf, nahm den reich betreßten Hut unter den Arm, den Stock mit hohem goldenen Knopf in die Hand, und hing den ſchönſten Degen über; alſo herausſtaffirt ging er nach dem Kaffeehauſe.

Es dauerte nicht lange, ſo ſaß er am Spieltiſche und bot Norcroß eine Partie an, die dieſer mit Höf⸗ lichkeit annahm. Norcroß gewann abermals und wurde