Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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zweiten Stockwerke des Hauſes führte. An dieſes Haus ſtieß unmittelbar, und nur durch eine einzige Wand geſchieden, die Kirche des Kaſtells.

Im Gefängniß meditirte Norcroß Tag und Nacht, wie er es anfangen möchte, durchzubrechen. Sein Fenſter war klein und hoch an der Wand des Kerkers, ſo daß er nur mit Mühe dazu konnte. Ueberdies fand er, daß es mit dicken Eiſenſtangen verwahrt war. Es war alſo nicht daran zu denken, daß er durch das Fenſter konnte. Für weit möglicher hielt er es, ein Loch durch die Wand auf die Treppe zu graben. Von der Treppe gedachte er entweder ein zweites Loch gegen den freien Platz hinaus zu arbeiten, oder die Treppe hinauf zu laufen bis unter das Dach und von hier auf das Gewölbe der Kirche durchzubrechen, oder auch auf das Dach zu ſteigen und, im äußerſten Falle, vom Kirchthurm herabzuſpringen. Das Leben war ihm gleichgültig und er wollte es darauf hin wagen, den Hals zu brechen. Der ſchrecklichſte aller möglichen Zuſtände war ihm ſeine elende Gefangenſchaft.

Als er ſich den zu machenden Weg ausgeſonnen hatte, erſuchte er den Profoß, ihm einen großen gekochten Hinterſchinken zu kaufen. Die Geberin des Geldes hatte ausdrücklich befohlen, ihm an Eſſen und Trinken ver⸗ abfolgen zu laſſen, was er wünſche; ſie werde, wenn dieſe Summe aufgezehrt ſei, für ſeinen weitern Unter⸗ halt Sorge tragen. Der Schinken kam; Niemand konnte daraus einen Verdacht ſchöpfen. Norcroß erſt das Fleiſch ab, dann machte er den Knochen, an welchem ihm vorzüglich lag, mit dem Meſſer ſcharf und ſpitzig. Hierauf drehte er von dem Stroh, auf welchem er zu liegen pflegte, ein ſtarkes Seil. Da er aber fürchtete, es möchte nicht haltbar genug ſein, ſo zerriß er ein Bettlaken, welches ihm auf Betrieb

Storch, ausgew. Romane u. Novellen. XllI.