29
daß er dem redlichen, braven Manne verſchweigen mußte, wen er eigentlich beherbergt hatte; wäre es nicht mit allzu großer Gefahr verknüpft geweſen, er hätte ſich genannt, um dem Edelmanne einen beſſern Begriff von dem berüchtigten Freibeuter Norcroß bei⸗ zubringen. Er ſchied mit einer wehmüthigen Em⸗ pfindung, aber der reinſten Hochachtung im Herzen gegen den uneigennützigen Wirth, und verſprach, dem⸗ ſelben Nachrichten von ſich zu geben, ſobald ſich eine Gelegenheit dazu finde.
Gad war ſtumm wie ein Fiſch, und Ellen ließ ſich gar nicht ſehen. Der Sonderling hatte es noch nicht gewagt, ihr ein Wort von ſeiner Neigung zu ſagen, und er hätte ſich wohl eher ein Leid ange⸗ than, als ſein Herz vor dem geliebten Mädchen aus⸗ zuſchütten. Norcroß aber hielt es nicht für gut, ſei⸗ nen Fürſprecher und Freiwerber zu machen, und ſo ſchied denn der Aengſtliche mit blutendem Herzen. Für Norcroß, Gad und zwei der Officiere hatte ih⸗ nen der Edelmann Pferde und ſeinen älteſten Sohn, nebſt zwei Knechten, zur Begleitung mitgegeben. Die Andern gingen zu Fuße. So kamen ſie nach Tiſted. Dort verließ ſie ihr Begleiter, und Norcroß ver⸗ ſammelte ſeine Leute um ſich, um ihnen zu ſagen, daß Jeder auf ſeine eigene Fauſt nach Schweden zu entkommen ſuchen müſſe, und zwar ſoviel als mög⸗ lich getrennt, weil das Beiſammenſein verdächtig ſei. Von ſeiner Kaſſe theilte er unter ſie, ſoviel er entbehren zu können meinte, und beſtimmte Stockholm zu ihrem Verſammlungsort. Mit ſchmerzlichem Ge⸗ fühle nahm der Kapitän von ihnen Abſchied; ſie zer⸗ ſtreuten ſich, und er ritt mit Gad und zwei jüngern Officieren nach Aalborg. So ſehr auch Juel bat, der Kapitän möchte ihn mit ſich nehmen, ſo ſchlug ihm


