——
25
Verſtand trat mit dem neuerwachten Gefühle in Wi⸗ derſtreit:„Der Mann kennt kein höheres Loos, ſein beſchränktes Weib füllt ſeine Welt aus, er hat nie andere Wünſche gehegt; er iſt nie über die Scholle ſeines Gutes hinausgekommen; er iſt ein Bauer und hat keinen Sinn für die Herrlichkeit des Seelebens, er liebt ſein Weib, wie ſein Haus und ſeinen Acker.“ Aber im tiefen Herzen widerſprach das nengeborne Gefühl, und lallte es auch noch unverſtändlich, es ſuchte ſich ſchon Nahrung zum Gedeihen. Norcroß träumte in dieſer Nacht von ſeinem Weibe; ſie ſtand vor ihm, Thränen im Auge, winkte ihm mit milder Geberde zu ſich heran und flüſterte ihm zu, daß ſie ja doch ein Pfand ſeiner Liebe unter dem Herzen trage. Dieſer Traum verſtärkte den Eindruck des vorigen Tages; den wilden Kaperkapitän erfüllte ein ſo wunderliches Weh, das er vergebens wegzuräſon⸗ niren ſuchte, und die zarte Blüthe rein menſchlichen Gefühls entfaltete ſich in ſeiner Bruſt. Und als nun in den folgenden Tagen der Edelmann ihm immer mehr herzliches Vertrauen ſchenkte, und einmal in einer Stunde, wo ſie allein bei einer Flaſche Wein zuſammenſaßen, erzählte, daß er früher als Haupt⸗ mann in Holſtein gefochten und dort ein herrliches Mädchen, ihm an Stand und Reichthum gleich, heiß geliebt habe, daß er aber durch ein früheres Ehever⸗ ſprechen, nach dem Wunſche ſeiner Eltern, an ſeine jetzige Frau gebunden geweſen ſei, daß er die ſchwer⸗ ſten Kämpfe mit ſeinem Herzen beſtanden, aber Wort und Pflicht doch den Sieg über eine ſtarke Leiden⸗ ſchaft davongetragen und er dieſe Entſcheidung, im Beſitz eines höchſt braven, liebenswürdigen, häuslichen Weibes, das ihn glücklich gemacht, nie bereut habe; da rief Norcroß tiefgerührt:„Ja, Freund, ich habe


