Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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23 wollen; der Kapitänlieutenant Gad wußte nichts Ge⸗ ſcheuteres zu ſagen, als daß er der Steuermann des geſcheiterten Schiffes wäre, dadurch kam der wirkliche Steuermann in die Verlegenheit, ſich unter die Ma⸗ troſen zu ſtellen. Die Officiere gaben ſich theils für Kaufleute, theils für Paſſagiere aus, und berichteten, daß der Kapitän des Schiffes umgekommen ſei. Der Edelmann ſchien nicht das mindeſte Mißtrauen in ihre Ausſage zu ſetzen und ſagte:

Ihr ſeid zwar größtentheils Schweden, meine Herren, aber was geht urs der Streit unſerer Kö⸗ nige an? Ihr ſeid Chriſten, ſeid Gottes Kinder, wie ich, und demnach meine Brüder; Euer Unglück aber legt mir die Pflicht auf, Euch zu helfen, ſo weit es in meinen Kräften ſteht. Nun ſo kommt her, Ihr, Herren, ich will Euch mit meiner Familie bekannt machen.

Mit dieſen Worten ſührte er die Schiffbrüchigen in den Familienſaal, der in Dänemark das vorzüg⸗ lichſte Gemach des Hauſes iſt und ſich immer zu ebener Erde befindet. Hier wurden ſie von der Frau und den erwachſenen Kindern freundlich bewillkommt. Alle dieſe Leute kamen ihren Wünſchen mit Bereitwillig⸗ keit entgegen. Es wurde ein einfach⸗gutes Mahl zugerichtet; die Fremden ſaßen, mit den Gliedern des Hauſes untermiſcht, um die lange Tafel, welche ein großer, ſilberner Becher von Mund zu Mund gehend umkreiſte. Gad war neben die älteſte Tochter des Hauſes zu ſitzen gekommen, und ob ſie gleich nicht ſchön war, ſo wurden ihm ihre ſanftfreundlichen Augen, ihr ſchlanker Wuchs und die unbefangene Zu⸗ ſprache, mit der ſie ihn zum Eſſen und Trinken trieb, ſo gefährlich, daß ein leiſes Zittern, von ſeinen