Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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und klammerte ſich in den Tauen feſt. Lange hörte man auf dem Boote, wenn das Geheul des Sturmes ſchwieg, das ſeinige. Norcroß ſtand, mit Thränen im Auge, ſeinem Schiffe zugekehrt, und bereuete ſchon, es verlaſſen zu haben. Jeder Fuß breit, den es tie⸗ fer ſank, gab ihm einen tiefern Stich in das Herz. Endlich riß es eine Welle vollends nieder, das auf⸗ gerollte Segel flog über die Wellen; Habermann zuckte ſeinen Todeskampf darin. Noch ein Ruck, die letzten Spieren gingen unter; Alles war verſchwun⸗ den und die wüthenden Wogen rollten ungehindert bis an das Ufer. Sie riſſen auch das Boot mit fort und nur mit der größten Mühe und der äußerſten Anſtrengung retteten es die Agerbvern vom Unter⸗ gange. Neben demſelben ſchwamm einige Zeit der todte Kaplan, ſeine Bibel ſchiffte über dem Waſſer, und der Sturmwind ſpielte höhnend mit ihren Blät⸗ tern. Hie und da rang noch ein verzweifelter Ma⸗ troſe mit dem empörten Meere, bis auch ihn das Verhängniß hinabriß und die Woge mitleidig bedeckte.

Das Boot landete, empfangen von den Strand⸗ bewohnern, die Alle aus ihren am Ufer ſtehenden ärmlichen Hütten herausgekommen waren. Norcroß winkte den ſterbenden Gefährten den Abſchied zu; lange ſaß er auf einem Stein und ſah, Thränen ver⸗ gießend, auf die Stelle, wo ſein theures Schiff un⸗ tergegangen war. Dann ſagte er zu Juel, der bei ihm verharrte:Wahrlich, das Schickſal prüft mich hart und fürchterlich. Das Schlimmſte, was mir geſchehen konnte, iſt geſchehen; mein Theuerſtes iſt dahin, und ich wundere mich über mich ſelbſt, daß ich den Verluſt meiner Fregatte habe überleben kön⸗ nen. Jetzt bin ich ein ganz geſchlagener Mann; mein Trotz iſt gebrochen, und mit den Thränen, die ich