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verbreitete ſich jetzt Klarheit. Und die Gefahr ſtieg von Minute zu Minute. Das Schiff war mitten im Bereich der unterfluthigen Scheren, und nichts ſchien gewiſſer, als der augenblickliche Tod. Norcroß ſtand mit verſchränkten Armen auf dem Hinterdeck, zu ſei⸗ nen Füßen kauerte der Knabe und ſah ihm feſt und ruhig in's Geſicht. Wie beſchämte das Kind den Prie⸗ ſter, den Kapitänlieutenant und den Chirurgen!
„Endlich!“ rief der Kapitän und deutete nach dem nahen Ufer. Zuel ſprang auf und jauchzte: „Mein Ochſe hat nicht vergeblich gebrüllt! Menſchen kommen!“
„Was helfen uns Menſchen, Juel,“ ſagte der Kapitän,„wenn nicht von jenen hochherzigen Ager⸗ boern darunter ſind, jenen ſtarken Lootſen? Ach, und was ſoll ich am Lande? Ich ſoll mein Schiff hier zurücklaſſen? Werd' ich es vermögen?“
Und gleichſam als hätte ſie Leben und Gefühl und die theilnehmenden Worte ihres Führers ver⸗ ſtanden, zitterte jetzt die Fregatte, wie ein von Jä⸗ gern eingekreiſtes Wild. Sie wollte noch einmal gegen den in ihren Maſten und Raaen brauſenden Sturm ankämpfen, aber ihrer ſpottend, warf er ſie an einen Riff. Ein zweiter Stoß erfolgte. Verzweifelt wink⸗ ten die Matroſen dem am Ufer verſammelten Men⸗ ſchenhaufen zu. Das Waſſer drang ſtromweiſe in das Schiff. Die Matroſen boten die letzten Kräfte auf, den neuen Leck zu verſtopfen. Da ſah man endlich vier Männer zum Strande herabklimmen und ein Boot beſteigen. Es waren Agerboern. Mit Ge⸗ wandtheit und Kraft ſchnitten ſie den Wind und die Wellen. Sie kämpften ſich glücklich durch. Doch all⸗ zuklein war ihr Boot; es konnte höchſtens zehn Mann von der auf dem Graf⸗Mörner befindlichen Mann⸗
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