Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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uns an der Kehle und wird ſogleich einſchneiden. Nehmt Euere Bibel vom Rücken. Wozu haben wir denn einen Schwarzrock auf das Schiff genommen, als daß er uns in unſerm letzten Stündlein einen geiſtlichen Zehrpfennig mit in des Meeres Schorß hinabgebe? Meiſter Pehrſohn war recht ernſt gewor⸗ den, der Kaplan aber an allen geiſtlichen Mitteln ſo gänzlich bankrott, daß er dem Bootsmann auch nicht einen einzigen von den verlangten Pfennigen auszah⸗ len konnte. Der Kapitän ging mit Seelenruhe an ihm vorüber und ſagte:Ei, Freund, haben Euch Euere Bibelverſe verlaſſen? Ja, ja, das iſt Schaum, an dem Ihr Euch nicht halten könnt, wenn's an's Unterſinken geht. Ich bitte Euch, ſagt mir doch ein Stoßſeufzerlein her; doch ſchnell! Denn der Stoß wird bald kommen und der letzte Seufzer auch.

Da plapperte in raſender Verwirrung und wie zum gräßlichen Hohn der angſtvollen Stunde, der Kaplan ein Würfel⸗ und Kartenſprüchlein her, was nur ſchlechten Spießgeſellen durch den Mund zu lau⸗ fen pflegte. Der Schiffschirurgus, der, um die To⸗ desangſt zu verſcheuchen, wacker Grog braute und zechte und zuletzt in beſoffener Gleichgültigkeit in einer Ecke, ohnfern ſeinem geiſtlichen Spiel⸗ und Trinkbru⸗ der, lag, lachte und lallte:Brav, Magiſter! Mit Verlaub zu ſagen. Luſtig gelebt und ſelig geſtorben, heißt dem Teufel die Rechnung verdorben.

Der Kapitän kehrte Beiden den Rücken und gab neue Befehle; das Schiff wurde abermals gewendet und trieb, halb auf der Seite liegend, etwas lang⸗ ſamer. Da ſagte Noreroß Jueln etwas leiſe. Der Junge flog hinab und nach wenigen Augenblicken krachte ſeine Kanone. Und Schuß auf Schuß fiel aus den Feuerſchlünden, daß das ganze Waſſerhaus

Storch, ausgew. Romane u. Novellen. XIII. 2