Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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der höchſten rgniß unter die neugierigen Offi⸗ ciere.Heiliger Gott! zeterte er mit heiſerer Stimme; das iſt eine Verrücktheit! Denkt nur, er hält ſich für eine Frau, und zwar für die katholiſche Frau eines lutheriſchen Mannes. Habt Ihr wohl ſchon ſo etwas gehört? Ich habe meine Noth mit ihm gehabt und mich abgeäſchert. Gebt mir ein Glas Grog! Und er leerte das vom Koch dargebotene Glas mit einem Zuge, während die Andern dumm vor ſich hinglotzten, bedenklich die Köpfe ſchüttelten und Kapitänlieutenant Gad bemerklich machte, daß. wenn der Gemäthszuſtand des Kapitäns ſich bis den andern Tag nicht gebeſſert habe, der Rath zuſam⸗ mentreten und das Schiff ein anderes Oberhaupt er⸗ halten müſſe.

Das Schiff war ein Spiel der von Nordoſt ſtrö⸗ menden Wellen, gegen die es, man wußte nicht aus welchem Zwecke, ankämpfen mußte. Alle Hände wa⸗ ren beſchäftigt, und die Matroſen arbeiteten aus Lei⸗ beskräften. Der Kapitän ſah ihnen gleichgültig zu und ſprach kein Wort. Als die Nacht kam, war das Schiff nur wenige Meilen vorgerückt. Gad ließ einen Anker werfen und der Kapitän widerrief den Befehl nicht; das Schiff hielt. Er wickelte ſich in ſeinen Mantel und legte ſich auf das Hinterdeck, und den Kopf auf die Hand geſtützt, ſtarrte er bald den trü⸗ ben Himmel an und bald die trübe See. Die er⸗ müdeten Matroſen ſahen ihn dort liegen, gingen ſcheu vorüber und ſuchten ihre Hangematten. Die Officiere vergnügten ſich mit den beiden Aerzten, dem Leib⸗ und dem Seelenarzte auf dem Schiffe, an der dam⸗ pfenden Bowle und Alle ſuchten dann berauſcht und unbekümmert um den wehleidigen Kapitän ihr Lager.

Aber noch hatte der Morgen nicht gegraut, als