12 4 „Herr Kapitän, Ihr ſeid kathollſch,“ ſtammelte der verwirrte Kaplan,„ich aber kenne di Irrthümer Euerer Kirche nicht ſattſamlich, um auf Euere Reden, die mir nicht recht klar ſind, eingehen zu können.“
„O ich wüßte wohl eine Seele, der ſie klar wä⸗ ren!“ ſeufzte der Kapitän.„Und die iſt auch luthe⸗ riſch,“ ſetzte er lächelnd hinzu.„Belehrt mich doch, Kaplan,“ ſprach er nun im geſelligern Tone,„wie pflegt es das Oberconſiſtorium zu Stockholm bei der Scheidung gemiſchter Ehen zu halten? Z. B. wenn ein geborner Schwede und lutheriſcher Chriſt ſich von ſeiner ausländiſchen katholiſchen Frau ſcheiden laſſen wollte, was hat er da für Wege einzuſchlagen, was für Umſtände zu beſeitigen?“
Der Kaplan machte große Augen und ſtimmte ſtill im Herzen dem Bootsmann bei, daß es mit dem Kapitän nicht recht richtig ſei, wenn auch der Teufel nicht in Perſon aus ihm ſpuke. Wie konnte, nach des Pfaffen Begriffen, ein Vernünftiger von der Un⸗ ſterblichkeit der Seele auf die Cheſcheidung kommen? Doch antwortete er dienſtfertig:„Euer Knecht in Chriſto! Damit verhält es ſich folgender Maßen. Iſt die Frau von einem lutheriſchen Prieſter getraut, und entläuft ihrem Manne, ſo kann ſie, in ihr katholi⸗ ſches Vaterland zurückgekehrt, einen andern Mann freien, denn Euere Kirche erkennt unſern Segen nicht an. Es iſt da keine Scheidung nöthig und der Mann iſt eo ipso frei. Anders verhält es ſich, wenn die Frau in Schweden bleibt. Dann iſt ſie unſern geiſt⸗ lichen Gerichten unterworfen und die Scheidung muß mit allen Förmlichkeiten betrieben werden.“
„Alſo müßte ich fort aus Schweden!“ murmelte Norcroß vor ſich und ließ den Schwarzrock ſtehen. Dieſer nahm ſeinen Rückzug und trat mit den Zeichen


