Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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verſtehen nicht nach Euerer Doctrin; nach Euerer eigenen Ueberzeugung frag' ich, und die kann wohl ein lutheriſcher Prieſter auch einmal einem katholiſchen Seemanne ſagen. Dieſe Worte trieben dem Kaplan Angſtſchweiß aus; er ſchielte nach des Kapitäns Händen, voll Furcht, demſelben möchte es im Paroxismus beikommen, ihm, wenn er unbeſtimmt antworten würde, auf die kürzeſte und überzengendſte Weiſe über die Unſterblichkeit der Seele zu belehren. Der großen Verlegenheit des Matroſenprieſters kam ein Bibelſpruch zu Hülfe. Seine von den Händen des Kapitäns auf das in den ſeinigen liegende auf⸗ geſchlagene Buch irrenden Augen blieben an einem Verſe hangen, und er ſprach mit Salbung:

Denn Ihr ſeid geſtorben, und Euer Leben iſt verborgen mit Chriſto in Gott. Wenn aber Chri⸗ ſtus, Euer Leben, ſich offenbaren wird, dann werdet Ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herr⸗ lichkeit.

Der Kapitän wandte ſich unwillig ab. Dann ſagte er:Ihr ſeid auch weiter nichts als eine Glocke und die Bibel iſt Euere Zunge. Fragt man nach Geiſt, ſo ſchiebt dies Volk einem eine Form vor, in der man ſich abraſt, wie ein Pferd im Nothſtall. Nachher, wenn man ſich ausgetobt hat und ohnmäch⸗ tig am Boden liegt, dann ſagt Ihr: nun iſt er über⸗ zeugt! nun hat er die hohe Weisheit begriffen! Selbſt die Hoffnung auf die Fortdauer hat Euere Beſchränkt⸗ heit mit erbärmlichen Formen umſponnen, und wenn in mir die entzückende Ahnung aufglüht, daß ver⸗ wandte Geiſter dort in Gott ſelig vereint ſein wer⸗ den, ſo ſeid Ihr wohl mit dem geiſtlichen Befehle fertig, daß ich in jener Welt meine Frau zum zwei⸗ tenmale heirathen ſoll?