Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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derzuſchlagen; denn in der That traute er der Bibel diejenige geiſtige und geiſtliche Kraft zu, die er ſelbſt nicht zu beſitzen ſich ſtill geſtand. Zu ſeiner Bewun⸗ derung machte aber der Kapitän ſelbſt dann noch keine Be⸗ wegung, als die Bibel ihm faſt den Hut vom Kopfe ſtieß.

Si tu es spiritus malus, exi!« ſtammelte der Kaplan in Todesangſt und an allen Gliedern zitternd. In nomine patris, filii et spiritus sancti!*) ſetzte er mit lauterer Stimme hinzu, und der Kapitän wandte ſich um. Der ungeſchickte Teufelsbeſchwörer ſtürzte, vom Gefühle ſeiner geiſtlichen Schwäche überwältigt, zu Boden und flehte heulend um Gnade und Erbar⸗ men. Hinter den Maſten und auf der Treppe ent⸗ ſtand ein lautes Poltern und verworrenes Schreien verſchiedener Stimmen durch einanden. Neugierig hatten Gad, Habermann, Pehrſohn und einige andere Offi⸗ ciere und Matroſen ſich dort verſteckt aufgeſtellt, um die Beſchwörung mit anzuſehen; kaum aber hörten ſie des Kaplans Angſtgeſch'ei, als ſie, in der Meinung, der böſe Feind habe den Ffaffen beim Kragen, vor Schrecken köpflings über einander purzelten und ſchreiend ſich zu überholen ſtrebten, um ſich vor den Klauen des Satans zu ſalviren.

Der Kapitän ſah, aus ſeinem Tiefſinn erwachend, den Schiffskaplan mit ſchwermüthigem Lächeln an, und ſchien gar nicht zu bemerken, welche Rolle derſelbe ſpiele. Vielmehr faßte er den bebenden Mann beim Arme, zog ihn herauf und ſagte:Es iſt gut Ma⸗ giſter, daß Ihr eben kommt. Sagt mir doch, was haltet Ihr von der Fortdauer des menſchlichen Geiſtes nach dem Tode? Das heißt Ihr müßt mich recht

*)Wenn du ein böſer Geiſt biſt, ſo fahre aus!Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geiſtes!