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flucht ſei das Weib, das mir meine herrlichſten Pläne verdarb!“
„Nicht ihr fluchen!“ ſagte Flaxmann und weinte. „Unſer Mitleid verdient ſie, nicht unſere Flüche.“
„Und Ihr weint, wie ein Kind, das ſein Püpp⸗ chen verloren hat,“ höhnte der Kapitän.„Ich, auch ich möchte weinen, aber Blut; denn Thränen hab' ich nicht, Blut weinen über meinen lieben Jungen, den ſie mir an den Galgen hängen werden. O Du Lieb⸗ ling meines Herzens, mußteſt Du durch den Verrath eines geſchwätzigen Unterrockes umkommen!“ Hier brach der ſo feſte Mann in ein verzweiflungsvolles Geheul aus. Dann rief er wüthend über das Schiff: „Jungen, ſtellt Euere Arbeit ein; es iſt Alles verge⸗ bens. Der alte Reetz hat uns verrathen. Geht nach Hauſe, es wird bald Winter.“
„Hab' ich es Euch nicht geſagt, Kapitän,“ erin⸗ nerte Gad, der neben ihm ſtand,„daß aus Euerm Unternehmen wieder nichts werden würde? Uud wa⸗ rum?“ Er deutete mit ſeinen langen dürren Fingern auf Flaxmann, der den Kopf an einen Maſt gelehnt hatte.
„Ja, in's Teufels Namen! Ihr habt mir's vorher geſagt!“ donnerte Norcroß den erſchrocken zurückwei⸗ chenden Kapitänlieutenant an. Dann wandte er ſich zu Flarmann und ſagte ernſt und mit einer gewiſſen weh⸗ müthigen Feierlichkeit:
„Lieutenant, unſere Wege können fernerhin nicht mehr zuſammengehen. Es iſt kein Segen dabei. Wir müſſen uns trennen. Morgen reiſ' ich mit meiner Fregatte ab, Ihr mögt über Euch ſelbſt beſtimmen.“
„Ich habe ſchon,“ verſetzte Flarmann, hob das Haupt mit den dunkeln Augen voll ſchwerer Thränen
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