Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4.

203

bens mich bald in die wildeſten Gewäſſer hinausfüh⸗ ren werde. Dann hoff' ich, ſoll mir wieder wohl werden; die Anſtalten zur Abreiſe ſind gemacht. Doch nie ſollt Ihr erfahren, wohin ich gehe. Lebt wohl, Kapitän!

F. v. G.

Der Brief an Flarmann war des Inhalts:

Ich ſterbe, mein Geliebter, ich bin ſchon todt⸗ krank, und der Tod wird mir ein willkommener Ret⸗ ter, ein Engel der Tröſtung ſein. Ach, ich habe in den Tagen meiner Leiden die Ueberzeugung gewonnen⸗ daß ich Dich doch niemals hätte beſitzen können und dürfen; das Schickſal hat es auch nicht dulden wol⸗ len, drum hat es mich zur Verrätherin an Dir ge⸗ ſtempelt. Ja, ich bekenne mich ſchuldig, und doch iſt mein Herz der alten reinen Unſchuld noch voll. Der Konflikt meines und Deines Geſchicks hat mich mit mir ſelbſt in Verwirrung gebracht. Meine Heiterkeit iſt dahin. Du würdeſt mich kaum mehr erkennen. O für welche Sünden bin ich ſo hart geſtraft! Ich habe keine begangen. Ich fehlte aus Schwachheit; ich bin kein ſtarkes Mädchen, wie Friederike. Darum, mein einzig Geliebter, vergieb mir! Eine Sterbende fleht Dich um Verzeihung an, willſt Du ſie zurückſtoßen? Vergieb, vergieb, o vergieb! Könnt' ich doch vor Dir niederknien, könnt' ich meine Hände ringend zu Dir erheben, könnteſt Du in mein bleiches abgehärmtes Geſicht ſehen, Du würdeſt ſagen: Dir ſoll vergeben ſein! Ja, Du wirſt es ſagen, ich weiß es! Laß es mich wiſſen, ich flehe Dich! Leb' wohl für dieſe Welt. Leb' wohl und vergiß nicht ganz Deiner unglücklichen Braut

Ch. v. O. Nun iſt Alles aus! raſete Norcroß auf.Ver⸗

*