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unſers Geheimniſſes wurde. Ich muß bekennen, daß ich ſie haſſe, wie mein Vaterland; ich werde A al⸗ ten treffen, ſie bald zu verlaſſen. Sie hat jetzt be⸗ griffen, daß ſie ſich ſelbſt frevelhaft den Brautkranz zerriſſen hat, und iſt untröſtlich. Ich kann ihr nicht helfen, und überlaſſe ſie ihrem Schickſale. Durch Euern Jungen, der doch wohl bald zu Euch zurück⸗ kehren wird, ſollt Ihr wieder von mir hören. Ich habe ihn nicht wieder geſehen; er ſpielt ſeine Rolle vortrefflich. Eilt von der ſeeländiſchen Küſte ſo ſchnell Ihr könnt. Euere F.“
Der Kapitän ſtand einen Augenblick bewegungslos, aber in ſeinen Augen begann ein fürchterliches Feuer zu glühen. Endlich ballte er die Fauſt und zerdrückte den Brief darin, und über ſeine Lippen ſchwebte ein entſetzlicher Fluch. Dann ſtieg er auf das Schiff hinauf und gebot, die Anker zu lichten und die Rie⸗ menblätter zu ergreifen. Stumm ſtand er auf dem Verdeck und ſchaute nach Kopenhagen hin, als das Schiff ſeinen Flügelgang nach der ſchoniſchen Küſte zu nahm. Ein leiſes Zittern lief durch ſeine Glieder, er mußte ſich mehrmals an dem nächſten Maſte an⸗ halten. Endlich glättete er den Brief wieder, ſchlug ihn zuſammen und ſteckte ihn ein. Aber kein einziges Wort weiter, als die zum Befehlen unumgänglich nö⸗ thig waren, kam über ſeine Lippen. Sobald die Fre⸗ gatte im Hafen von Karlskrona eingelaufen war, wurde ſie von einer Menge Neugieriger empfangen, die alle den Kronprinzen von Dänemark über den Steg da⸗ hertreten zu ſehen erwarteten. Aber es erſchien Nie⸗ mand; die Nachricht, daß Kapitän Norcroß den Prin⸗ zen wieder nicht gefangen habe, verbreitete ſich ſchnell


