Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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6Kapitän Norcroß!

Ihr ſeid verrathen, und wenn Ihr zaudert, in zwei Stunden däniſcher Gefangener. Was dann Euer Loos ſein würde, könnt Ihr ſelbſt ermeſſen. Ihr werdet ſtaunen, aber Alles begreiflich finden, wenn ich Euch ſage, daß Chriſtine von Ove, die unwürdige Braut Eueres Freundes, die Verrätherin iſt. Vor ei⸗ ner halben Stunde, als ich mich unverhohlen über den Antheil, den ich an Euerer Perſon nehme, bei ihr als bei einer Schweſter ausſprach, ſchlug ſie plötz⸗ lich das Gewiſſen. Sie fragte mich, ob Ihr wirklich der Kapitän ſeid, welcher auf der Rhede als Ueber⸗ läufer liege, und als ich erſtaunt und nicht begreifen könnend, wie ſie zu ſolcher Wiſſenheit komme, es ihr bejahe, ſtürzt ſie mir plötzlich in Verzweiflung und die Hände ringend zu Füßen, und fleht mich an, Euer Leben zu retten, welches in der größten Gefahr ſchwebe. Ich beſchwöre ſie, ſich näher zu erklären, und ſie ent⸗ deckt mir, daß ſie Zeugin unſeres Geſprächs in der Laube geweſen, und daß ſie es ſei, welche dem Kam⸗ merjunker von Raben einen Wink auf der Jagd ge⸗ geben, daß er den Kronprinzen nicht am Strande zu⸗ rückreiten laſſen möchte. Sie geſtand ferner, daß ſie mir dieſen Morgen ein Zettelchen weggenommen, wor⸗ auf mir Euer Junge blos ſchrieb:Der Kapitän iſt Nachmittags im Hafen; er liegt als ſchwediſcher Ueberläufer auf der Rhede. Euer Name war nicht genannt. Sie hat beidemal den Verrath aus einer mißverſtandenen Vaterlandsliebe begangen; eine große Angſt, die ſie nicht gräßlich genug beſchreiben kann, hat ſie dazu getrieben. Sie hat zerknirſcht zu meinen Füßen gelegen, und jetzt wälzt ſie ſich noch in Thrä⸗ nen zerfließend auf ihrem Bette. Das Unglück hat uns verfolgt, daß ein ſchwaches Weib zur Mitwiſſerin