Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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was der arme Kapit'in zeither ausgeſtanden, wie er in Verzweiflung am Meeresufer ihren Namen gerufen habe u. dgl. m.

Friederike wurde von dieſer natürlichen Schilde⸗ rung, die den Stempel der Wahrheit an der Stirne trug, ergriffen. Sie küßte den Jungen auf die Stirn, und er geſtand ihr, daß Kapitän Norcroß bald wie⸗ der nach Seeland kommen werde, um noch einmal ſein Glück an der Perſon des Kronprinzen verſuchen.

Hierauf wurde er mit einem Billet an den Kron⸗ prinzen, das weder kalt noch warm war, und der Bitte, bald wiederzukommen, entlaſſen. Sie hatte ge⸗ nug von ihm gehört, um den Mann ihrer Seele mit neu angefachter Glut zu lieben und ihr Schickſal zu verwünſchen.

Der abgeſandte Matroſe langte nach einigen Ta⸗ gen mit der Nachricht an, daß Kapitän Norcroß mit ſeiner Fregatte am folgenden Tag auf der kopenhage⸗ ner Rhede ſich vor Anker, legen und unter falſchem Namen als ſchwediſchen Ueberläufer angeben werde. So war Courtin's und Juel's Plan. Dieſe wollten Lärm von der Sache machen und den Kronprinzen einladen, ſich das herrliche Schiff zu beſehen. Sobald er aber an Bord deſſelben ſei, ſollten die Anker ge⸗ lichtet werden.

Am andern Morgen erſchien die Fregatte; Juel wollte das Fräulein von Gabel benachrichtigen, daß der Kapitän da ſei, und glaubte ihr damit eine Liebe zu erweiſen. Um ganz ſicher zu ſein, ſchrieb er auf einen Zettel: Der Kapitän iſt da, und wird ſich un⸗ ter dem Namen Karſten als Ueberläufer melden. Wollt Ihr ihn ſprechen, ſo kommt Nachmittags in den Hafen. Dieſes Brieſchen trug er hin, um ſie zu benachrichtigen, im Fall ſie nicht allein ſei. Aber er

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