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Eingedenk ſeiner Vevpflichtung erſchien dieſer auch bald am Portale und erkannte den Jungen.
„J, mein Himmel, woher kommſt Du jetzt erſt?“ fragte er verwundert.„Es ſind ja ſchon an drei Wochen, als ſich die königliche Hoheit gnädig gegen Dich auf der Brücke zeigte, und Du ſollteſt denſelben Tag kommen. Wo haſt Du unterdeſſen geſteckt?“
„Ach, Herr, eben die Gnade des Kronprinzen brachte † mir großes Unglück zuwege!“ klagte der Junge.„An der Brücke nicht weit von mir ſtand ein Matroſe— Ihr werdet ihn wohl geſehen haben— der ergriff mich, als Ihr ſort war't, ſchleppte mich hinter die Brückenmauer und wollte mir das Geld nehmen, das Ihr mir geſchenkt hattet; und als ich mich widerſetzte, ſchlug er mich jämmerlich, nahm mir das Geld und ließ mich halblent hinter der Brüſtung liegen. Erſt Abends S ich und wimmerte. Ein paar Bauern gingen und nahmen mich mit in ihr Dorf und dort habe ich bis jetzt krank gelegen.“
„Armer Schelm! Nun ſoll Dir's deſto beſſer ge⸗ hen. Komm herein. Ich will dem Kronprinzen Deine Ankunft melden.“— Eine Stunde darauf ſaß Juel in ſtattlichen Kleidern im Zimmer der Pferdeknechte, und hatte bereits die Weiſung, ſich zum Jockei des Kronprinzen zu bilden.
Durch ein wohlberechnetes anſchmiegendes Betragen wußte er ſich bei Jverbrink einzuſchmeicheln und durch dieſen ſich in die Gunſt des Kronprinzen zu ſetzen. Er wurde zu kleinen Aufträgen benutzt und hatte oft Wege in die Stadt zu laufen. Kaum hatte er dieſe Geſchäfte zur Zufriedenheit Jverbrink's ausgerichtet, als er auch ſchon vom Kronprinzen perſönlich zu noch wichtigern Dingen gebraucht wurde. Dieſe beſtanden in der Ueberbringung der geheimen Correſpondenz des


