Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

38

Scheermeſſers auf dem ledernen Streichriemen erzeugt, ſtand daneben, und verrichtete aus Geſchäftseifer und Liebe für die Sache die Funktionen des kleinen Kell⸗ ners, deſſen Thätigkeit durch das Leuchten bereits in Anſpruch genommen war, und Frau Ankarfield hätte ſich in keinem Falle herabgelaſſen, etwas weiter zu thun, als einzuſeifen und das Meſſer zu führen. Der kleine Engländer wuſch alſo erſt ſeinem Landsmann und präſumirten Schwiegerſohne und dann dem Frem⸗ den das glatt geſchorne Kinn. Als er beſchäftigt war, dem Letztern das Geſicht mit einer Serviette abzu⸗ trocknen, fiel ein voller Strahl des vom Kienſpan ausgehenden Lichtes in das Antlitz des Mannes, und der kleine Barbier und Perrückenmacher glaubte vor Staunen zu Stein werden zu müſſen. Wenigſtens blieb ihm das weit geöffnete Maul aufſtehen, ſeine großen Augen glotzten gerade weg, die Hände fielen ihm ſchlaff am Leibe herab und nur an ſeinen Knieen war eine ſchlotternde Bewegung ſichtbar. Der raſirte Mann trocknete ſich vollends ſelbſt ab, warf dem per⸗ plexen Barbier die Serviette mit einem halblaut ge⸗ ſprochenen Fluche zu, und ſtand auf, um dem Kapi⸗ tän Norcroß etwas zuzuflüſtern. Samuel ſchlich ſich mit dem an den Wänden ſich hindrückenden Gange eines Katers vorſichtig hinter den Ofen und machte ein ſo wunderlich ſchlaues geheimthuendes Geſicht, daß man hätte glauben können, es ſei ihm Wunder was begegnet. Der dritte Mann war auch bedient und mußte ſich ſelbſt abtrocknen.

Norcroß nahm die höfliche Frau bei Seite und ſagte heimlich zu ihr:Sagt mir doch, Frau Wir⸗ thin, wie befindet ſich die verwundete Dame, welche bei Euch wohnt?

Sie leidet noch an einem heftigen Fieber.

k