Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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reichlich und konnte kein Ende finden, den angeblichen Mörder recht verrucht zu ſchildern, wobei er nicht verfehlte, einige Unwahrheiten, Entſtellungen und Vergrößerungen mit einfließen zu laſſen. Dem Lieute⸗ nant wurde dadurch das Herz gelabt, und er rief end⸗ lich ſeelenvergnügt:Hab' ich's nicht immer geſagt, daß er ein Teufelsbraten iſt, ein verfluchter Schwarz⸗ künſtler und Hexenmeiſter? Wie anders wäre er denn in das Haus gekommen, wenn er nicht Schloß und Riegel aufgehetzt hätte? Aber ſeine Zeit und Stunde iſt gekommen, und der Teufel hat ihn verlaſſen.

Ihr irrt ſehr, Herr Lieutenant, wenn Ihr glaubt, mit dem Mörder ſei es aus, ſagte ein Schiffsmann von einem andern Schiffe, welcher mit einigen ſeiner Kameraden noch nicht lange da war. Schon vor vier Stunden kam er frank und frei mit dem Lieutenant Roſenpalm in den Hafen, beſtieg eine Schaluppe mit ihm und ſtach in See. Man ſagte allgemein, es geſchehe auf ausdrücklichen Befehl des Königs.

Das iſt nicht möglich! rief Gad.

Erkundigt Euch, wo Ihr wollt. Meine Kame⸗ raden werden meine Ausſage beſtätigen.

Dieſe thaten es.

Mit Verlaub, Frau Ebba, ſchickt doch einmal hinauf zum Fräulein, ſagte Meiſter Habermann zur kranken Schenkin denn Beide hatten das Geſpräch mit angehörtund laßt ſie fragen, ob ſie etwas von der Befreiung des Mörders weiß.

Der kleine Sohn und Kellner wurde abgeſchickt und kehrte gleich darauf mit der Nachricht zurück: der Fremde ſei für unſchuldig befunden und ſogleich frei⸗ gelaſſen worden.

Alle ſchüttelten die Köpfe und Gad fuhr endlich

Storch, ausgew. Romane u. Novellen. XII. 3