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keinen rechten Verſtand, ſie weiß nicht, was ſie thut und ſagt; ich aber muß wiſſen, daß ſie mit dem Nor⸗ croß verehelicht iſt, und ich weiß es und meine Zeug⸗ niſſe beweiſen es.“
„Ich bin nicht dumm; ich habe meinen Verſtand ſo gut wie Eine,“ verſetzte die Tochter endlich auch in Eifer gerathend.„Die Miß und meine Mutter haben mich beredet, Lügen auszuſagen. Ich bin nicht mit dem Kapitän Norcroß verheirathet.“
„O Du Schindmähre!“ ſpeite Frau Eliſabeth, und wollte ſich auf die Tochter ſtürzen.
„Hinaus mit ihnen!“ donnerte der König, und einen Augenblick darauf war das Zimmer mit Gar⸗ den angefüllt, welche die tobende Barbiersfamilie aus dem Gelaß des Schloſſes brachten.
„Ihr ſeid gerechtfertigt, Kapitän,“ wandte ſich der König an Norcroß, der einen ſtummen Zuſchauer dieſer Scene abgegeben hatte.
„Noch nicht ganz, Ew. Majeſtät,“ verſetzte die⸗ ſer.„Mein Verhältniß zu jenem Fremden, der in die⸗ ſer Nacht—“
„Kanntet Ihr dieſen jungen Mann?“
„Er war ein unglücklicher Anhänger des Präten⸗ denten, ein Lord Palmerſton und der Bruder des ſchändlichen Frauenzimmers, welches mich mit ſeiner unedlen Rache verfolgt. Ein Portefeuille, welches er auf der bloßen Bruſt trägt, wird Ew. Majeſtät von der Wahrheit meiner Ausſage überzeugen.“
„Saht Ihr jemals den Inhalt dieſes Porte⸗ feuilles?“
„Nein, Majeſtät. Ich weiß nichts weiter, als was er mir anvertraut hat. Da ich aber ſeine Familien⸗ verhältniſſe ziemlich genau kenne, ſo waltet in mir


