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pfarrer, Meiſter Blomfield, der damals zweiter Diacon war, iſt meiner Fanny Vater; daß Ihr's wißt! Und der Barbier ſoll mir kein Wörtchen über ſie ſagen, ſonſt kratz' ich ihn!“
Jetzt verlor der an ſeiner Vater- und Hausehre ſo hartgekränkte Mann alle angeborne und angelernte Geduld. Der grimmigſte Eifer, welcher durch ſeine Seele, wie eine glühende Eiſenſtange fuhr, ließ ihn ſogar einmal alle Umſtändlichkeit vergeſſen; er erhob ſeine Stimme wie ein brüllender Stier, rufend:
„Laßt mich reden! laßt mich reden, große Maje⸗ ſtät von Schweden!“
„Redet!“ verſetzte Karl.
Der Barbier wurde vorgeführt und ſeiner Ehe⸗ hälfte gegenüber geſtellt, welche bei ſeinem Anblick wieder von ihrer Katzennatur befallen wurde. Ihre langbenägelten Finger krümmten ſich einwärts, ihr Körper bog ſich vorwärts, und wenn ſie die Gar⸗ diſten nicht mit den Gefäßen ihrer Säbel zurückge⸗“ ſtoßen hätten, ſie würbe in Gegenwart des Königs über ihren Mann hergefallen ſein und ihn zerzauſt haben.
„Ew. Majeſtät will ich nun die pure Wahrheit bekennen,“ redete der Barbier haſtig und ungewohnter Weiſe um Blicke und Geberden ſeiner Frau ganz un⸗ bekümmert.„Ihre Tochter, der Bankert, iſt nicht mit jenem Kapitän getraut, nicht einmal verlobt; er ver⸗ ſprach nur das Mädchen zu heirathen, weil ihn mein Weib— pfui! ſie iſt mein Weib nicht mehr— weil ihn dieſe Perſon da ſonſt wieder in's Gefängniß hätte bringen laſſen. Nachher entfloh er. Der ganze ſaubere Handel war von der ſchlechten Miß Palmerſton ange⸗ ſtellt, deren Amme jene Perſon geweſen iſt. Denn ſchon ehe ich ſie ehelichte, hatte ſie einen Knaben. Ich


