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demſelben Uebel befallen bin, und es meiner Tochter aufgeerbt habe. Man findet in praxi medica*) gar oft Fälle, daß der Vater all ſeine Krankheiten oder auch nur ein einziges Uebel auf eins oder alle ſeine Kinder—“
„Ihr wißt alſo nichts von einer Trauung Euerer Tochter?“
„Ew. Majeſtät allerunterthänigſter Knecht kann ſich wegen Gedächtnißſchwäche nicht darauf beſinnen; ſintemalen wie ſchon bemerkt—“
„Tretet wieder in Euern Winkel! Man führe die Frau herein!“
Frau Eliſabeth wurde gebracht. Mit verweinten Augen trat ſie vor dem König; ſie hatte ſich auf's Bitten gelegt.
„Weder Euer Mann noch Euere Tochter wiſſen etwas von einer prieſterlichen Einſegnung derſelben mit gegenwärtigem Kapitän Noreroß. Euer Mann hat ſchon bekannt, daß die ganze Sache von Euch er⸗ funden ſei, um Euerer Tochter einen Mann zu ver⸗ ſchaffen, entweder den Noreroß ſelbſt, oder durch die Summe, mit welcher er ſich loskaufen ſoll, einen andern.“
Die wehmüthige Stimmung der Frau Eliſabeth verwandelte ſich ſchnell wieder in eine wüthende. Die Arme in die Seite ſetzend, Augen und Mund weit aufreißend, kreiſchte ſie aus vollem Halſe:„Hat er das geſagt, der Schandbalg? So ein verſoffner Bart⸗ kratzer! Er hat ſich den Verſtand mit Branntwein weg⸗ geſpült. Der Schurke! Was kann er über mein Kind ſagen? Er hat ſo wenig Antheil an meiner Tochter, wie ich an Euch, Herr König. Der hochwürdige Ober⸗
*) Ausübende Heilkunſt.


