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Mädchen ſtand zitternd und bebend noch im Vorder⸗ grunde allein vor dem Könige.
„Kennt Ihr den dort ſtehenden John Norcroß, Weib?“ fragte ſie der König barſch.
„Ja!“ verſetzte eine bebende Stimme, die man jetzt zum erſten Mal vernahm.
„Wo habt Ihr ihn kennen gelernt?“
„In meiner Eltern Hauſe, wo er ſich fünf Tage verborgen hielt, bis er entflohen war.“
„Iſt er unterdeſſen Euer Ehemann geworden?“
„Meine Mutter hat es geſagt.“
„Ihr ſollt nicht ſagen, was Euere Mutter ge⸗ ſagt hat, ſondern was Ihr ſelbſt wißt. So Ihr aber eine Lüge ſagt, laß ich Euch vom Henker aus⸗ ſtäupen.“
„Ach, lieber Herr König; ich will ja die Wahr⸗ heit ſagen.“
„Alſo hat Euch jener Mann als ſein Weib er⸗ kannt?“
„Ich weiß nicht, ob er mich wieder erkannt hat. Das fragt ihn doch; er wird Euch beſſer darauf antworten. Er hat ſich damals wenig mit mir zu ſchaffen gemacht, und ſo kann ich nicht wiſſen, ob er ſich meiner noch erinnert.“
Die Umſtehenden lachten über die Einfalt.
„Seid Ihr durch eines Prieſters Segen ehelich mit ihm verbunden?“
„Die Mutter ſagt's; ich weiß es nicht.“
„Nun hat Euch denn kein Prieſter zuſammenge⸗ geben?“
„Es kam kein Prieſter in unſer Haus.“
Zetzt erhob Frau Eliſabeth trotz dem Verbote ihre Stimme:„Aber Du biſt Nachts in die Sophien⸗


