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daß Ihr nicht mit dieſem Mädchen, Fanny Brondlov, ehelich verbunden ſeid?“
„Ich habe keine Beweiſe in Händen, Majeſtät; aber mein erhabener und gerechter König wird mich auch ohne dieſelben nicht verdammen. Ich bitte daher unterthänigſt, um meine Unſchuld an den Tag zu brin⸗ gen, dieſe Leute einzeln über die Umſtände meiner an⸗ geblichen Verehelichung vernehmen zu laſſen. Vielleicht ergiebt ſich ſchon aus einer möglichen Verſchiedenheit ihrer Ausſagen die Lüge. Ferner bitte ich auch jene Dame, Miß Roſamunde Palmerſton, welche doch ei⸗ gentlich die Triebfeder dieſer ganzen Maſchinerie iſt, gerichtlich inquiriren zu laſſen. Hinſichtlich ihrer werde ich noch beſondre Punkte angeben.“
„Gut geſprochen, Kapitän!“ ſagte der König mit einem huldvollen Blick.„Man bringe jedes dieſer bei⸗ den Eheleute in ein beſondres Zimmer. Die Tochter, als Hauptperſon bei dem Handel, ſoll zuerſt verhört
werden.“
„Was?“ kreiſchte die Frau auf, indem ihre Au⸗
gen rollten und ihre Hände ſich einwärts krümmten, wie die Klaue des Tigers, wenn er auf ſeinen Raub zu ſtürzen in Begriff iſt.„Was? Man will mich von meinem Kinde reißen? Man will mir mein Kind rau⸗ ben? Man thut uns Gewalt an! Gewalt! Gewalt! Und Du, Rabenvater, willſt Dir Dein Kind nehmen laſſen und dazu ſchweigen? Du elender Menſch! Da ſteht der Furchthaſe, der Einfaltspinſel, und zittert an allen Gliedern. Was zagſt Du, Dummbart? Iſt der König von Schweden der liebe Herr Gott? Und wenn er es wäre, ſo brauchteſt Du Dich nicht zu fürchten. Aber Du biſt ein erbärmlicher Mann und ich glaube ſelbſt nun, was Du ſo oft behauptet haſt, Du bift ſo wenig Vater zu meiner Tochter, wie zu
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