Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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Eure Majeſtät nur in dieſe Schreibtafel zu blicken, die er mir, bevor er in's Gefängniß geführt wurde, anvertraut hat. Ich weiß keinen beſſern Gebrauch da⸗ von zu machen, als ſie in die höchſteignen Hände Eurer Majeſtät niederzulegen. Sie werden das darin enthal⸗ tene Geheimniß bewahren.

Der König hatte das Etui genommen. Es war bereits geöffnet. Er that einen Blick hinein und über ſein ſonſt eiſernes Geſicht goß ſich eine Fülle von Er⸗ ſtaunen. Er entfaltete ein Document und las.

Großer Gott! rief er in größter Aufregung.Bei meiner Seele! es iſt Jacob's Hand! ſetzte er mit Beſtürzung hinzu. Keiner von beiden gegenwärtigen Männern hatte den nordiſchen Löwen ſchon in ſolcher Verwirrung geſehen. Die Hand, mit welcher er das vechirgie Etui hielt, zitterte, ſeine Augen irrten über die Geſchriften hin, die er nach einander entfal⸗ tete. Dann ſtarrte er die beiden Portraits, welche in der innern Wand des Buches befeſtigt waren, an und ſagte:Gut getroffen! Sprechend ähnlich! End⸗ lich fielen ſeine Blicke wieder auf die noch in kniender Stellung befindliche Friederike.Aber wer ſind Sie, meine Dame? fragte er jetzt,und in welcher Be⸗ ziehung ſtehen Sie mit dem Beſitzer dieſes Büchleins?

Friederike warf einen beſorgten Blick auf die bei den Zeugen dieſer Scene.

Erwartet meine Befehle! herrſchte der König Jenen zu, die ſich ſogleich entfernten.Stehen Sie auf, ſagte er dann mit der möglichſten Milde ſeiner Stimme,und folgen Sie mir in dies Kabinet. Er faßte ſie höflich an der Hand und führte ſie ſelbſt hinein.

Als ſie nach einer halben Stunde wieder heraus⸗ traten, ertheilte der König dem herbeigerufenen Stadt⸗