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„Was?“ fuhr der König auf und fragte den Gra⸗ fen Mörner anſehend,„iſt das nicht dieſelbe?“
„Dieſelbe!“ verſetzte dieſer.
„Mit welchem Schiff iſt der fremde Mörder ge⸗ kommen?“
„Mit Kapitän Noreroß. Der Mörder iſt ein leib⸗ licher Bruder der Dame.“
„Kapitän Norcroß? Vortrefflich! Eine abgekartete Geſchichte. Wart, Patron! Ihr könnt gehen.“ Der Präfekt wollte gehen, als der dienſtthuende Kammer⸗ junker meldete, eine vornehm gekleidete Dame begehre mit Heftigkeit Seine Majeſtät zu ſprechen, doch ver⸗ weigerte ſie, ihren Namen zu ſagen.
„Führ' ſie herein!“ verſetzte der König unmuthig, der mit Weibern nie gern zu ſchaffen haben mochte. Die Flügelthüren gingen auf und Friederike von Ga⸗ bel trat mit der ihr angebornen Majeſtät und mit der ihr angebildeten decenten Gewandtheit herein. Ihre herrliche Geſtalt, ihr ganzes Weſen überzeugten den König zur Stelle, mit welch' einem Weibe er hier zu reden habe, und er war einen Augenblick von ihrer Erſcheinung ſo ſehr überraſcht, daß ihn unwillkührlich ein plötzliches Erwachen jener ritterlichen Galanterie, welche auch er, der Weiberfeind, in ſeiner Jugend geübt, vom Seſſel empor und ihr entgegentrieb. Er wollte ſie mit einer Zartheit, der ſeine Hand entwöhnt war, ſeitdem ſie den Schwertgriff nicht viel abzulegen pflegte, bei den Händen faſſen und zu einem Polſter führen, aber ſie glitt mit bezaubernder Grazie zu ſei⸗ nen Füßen nieder, erhob ihre ſchönen Hände bittend mit den Worten:„Erbarmen ſich Eure Majeſtät des unglücklichſten Mannes, der jemals Ihre Staaten be⸗ trat, und in dieſer Nacht als Mörder hier verhaftet wurde. Beim großen Gott! er iſt unſchuldig! Geruhen


