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präfekten Befehl, unverzüglich eine Schaluppe zu rüſten und den Gefangenen darauf zu bringen. Der König ſelbſt beſtimmte einen Lieutenant zur Führung des Bootes und befahl, denſelben herbeizuholen, damit er die Befehle zur Reiſe erhalte. Friederiken gab er das Etui zurück, aber es war mit einer beträchtlichen Summe in Staatspapieren angefüllt; ein koſtbarer Ring glänzte an des Fräuleins Finger, den ſie vor⸗ hin noch nicht getragen hatte. Der König trieb zur Eile.
Auf dem Korridor vor den königlichen Zimmern begegnete der an des Präfekten Seite ſchreitenden Friederike Kapitän Norcroß, welcher ſich, erhaltenem Befehle gemäß, zum König verfügen wollte.
„Wiſſen Sie ſchon, Kapitän?“ rief ſie dem über ihre Anweſenheit an dieſem Orte c zu.
„Nichts weiß ich, gar nichts,“ erwied er;„ich lebe von Räthſeln umgeben. Sagen Sie, ich beſchwöre Sie! was Sie über mein Schickſal wiſſen, mein Fräu⸗ lein!“
„Ueber das Ihrige?“ fragte ſie befremdet„Wie ſoll ich zur Kenntniß Ihres Schickſals kommen? Ich erſuche Sie dringend, in einer Stunde bei mir zu ſein; da ſollen Sie alles Außerordentliche erfahren, was ſich in dieſer Nacht zugetragen hat. Die Zeit drängt.“ Und ſie ließ den armen Norcroß, in neue Pein der Ungewißheit verſtrickt, ſtehen. Er wußte nicht, ob er weiter gehen ſollte, und eine Verblüffung bemächtigte ſich ſeiner, welche nach gerade anfing, ihn gegen Alles, was kommen konnte, gleichgültig zu machen, und ſollte es auch das Schlimmſte ſein.


