Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
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ſchimmer fällt auf die Scene, gräßliches Geſchrei er⸗ tönt. In dem an der Erde blutenden Manne wird der Kammerdiener der fremden Dame erkannt. Flax⸗ mann beugt ſich über die ohnmächtige Frau und ſucht zu erſpähen, welchen Weg ſeine Kugel genommen. Er ruft nach Licht und hat doch das Piſtolet noch krampf⸗ haft mit der Hand umſpannt. Eine poſſirliche Manns⸗ geſtalt kniet daneben, befreit die Verwundete von den Kleidern, entdeckt die Wunde am rechten Oberarm und gibt ſich durch ſeine geſchickte Unterſuchung derſelben, wie durch die zuverſichtliche Erklärung, daß es nicht viel zu bedeuten habe, als Wundarzt zu erkennen. Nun fallen Flarmann's Blicke auf das Geſicht der Dame, die eben die Augen aufſchlägt. Entſetzt fährt er auf, auch ſie ſpringt empor und Beide rufen zu gleicher Zeit:Roſamunda, Schweſter! undJa⸗ cob! Bruder Jacob, Du mein Mörder? Er iſt de Mörder! ruft's nun von mehrern Seiten, die Stube füllt ſich mit Männern, Arme lan⸗ gen nach ihm, er will reden, Niemand hört ihn, er verſteht ſein eignes Wort nicht, auch iſt's, als hätte ihm Schrecken und Ueberraſchung die Zunge gelähmt. Die herbeigerufene Scharwache tritt mit Wehr und Waffen ein. Da gelingt's dem furchtloſen Fräulein von Gabel, ſich durch die Männer einen Weg zu ihrem Freunde zu bahnen. Haben Sie mir etwas aufzutragen? fragt ſie leiſe, und wie ein Lichtſtrahl fährt es ihm durch den Sinn. Er greift in die Bruſt, reißt die Schnur ent⸗ zwei, welche das Etui an den Hals befeſtigt, zieht das Büchlein hervor und ſteckt es dem Fräulein zu, flüſternd:Ihnen befehle ich das höchſte Geheimniß meines Lebens. Wahren Sie es! Sie ſteckt das Etui Storch, ausgew. Romane u. Novellen. Xl. 14