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lebendig gedachte Flüche und Verwünſchungen. Der Raum des Zimmers ward ihm zu enge, ſeine Bruſt wogte ſtürmiſch, er riß das Fenſter auf, ſich an der Abendluft zu kühlen, und noch einmal nach Friedrike's Erkerſtübchen hinüber zu ſehen. Eine ſchöne Herbſt⸗ nacht lag über der Erde. Ihm gegenüber leuchteten zwei Fenſter im Erkerſtübchen. Der Anblick der Sterne that ihm wohl, er ſtarrte lange an den Himmel. Der Wechſel ſeiner Gefühle war zwar noch eben ſo ſchnell, aber weniger gewaltſam und ſtürmiſch, und der Schmerz ſeiner Seele begann ſich in Wehmuth aufzulöſen.
Auf dieſe Weiſe vergingen ihm ein paar Stunden.
Er ſah die Lichter gegenüber verlöſchen und er löſchte die ſeinigen, um ſich ungeſtörter den Genüſſen hinzugeben, welche die Stille und Feierlichkeit der Nacht bereiten.
Und ſo hatte er, mit mannigfachen Gedanken be⸗ ſchäftigt, bis nach Mitternacht geſtanden und auf ſeine Augen wollte ſich kein Schlaf ſenken, da wurde ſeine Aufmerkſamkeit auf ein paar Geſtalten gerichtet, welche ſich auf der Straße langſam und leiſe hindrückten. Vor dem Hauſe der Barbierswitwe ſtanden ſie ſtill und beriethen ſich, wie es ſchien, miteinander, doch war kein Laut zu vernehmen. Endlich ging einer in die Mitte der Straße und muſterte die Fenſter des Hauſes, dann die der andern Häuſer zu beiden Sei⸗ ten, und horchte, aus ſeinen Bewegungen zu ſchließen, die Straße entlang. Flaxmann hatte ſich ein wenig zurückgezogen und das Fenſter beigeſchoben; ſein Herz klopfte hörbar; er war ganz Auge. Der horchende und ſpähende Vermummte gab jetzt dem Andern mit der Hand ein Zeichen und dieſer öffnete ſofort entwe⸗ der mit einem Nachſchlüſſel, mit einem Dietrich die Hausthüre. Beide huſchten hinein und lehnten die


