Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
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Majeſtät, Beide ſchon im vorgeſchrittenen Alter. Flax⸗ mann's ſtrahlendes Auge ruhte eine Zeit lang auf die⸗ ſen beiden Gemälden, und ſeine Mienen nahmen da⸗ bei einen wehmüthigen Ausdruck an, ein paar große Thränen glänzten in ſeinen Augen, er ſeufzte und ließ einige Schriften durch die Hand gleiten, welche, den großen Lettern und den aufgedrückten Inſiegeln nach zu ſchließen, Documente waren. Nachdem er einen ſchmerzlichen Kuß auf eins dieſer Geſchrifte ge⸗ drückt hatte, klappte er das Buch um und nahm ein kleines goldenes Krucifix und ein daran befindliches Muttergottesbild heraus. Dieſe ſtellte er vor ſich auf den Tiſch, und begann ſein Gebet zu verrichten. Doch er konnte die Ruhe nicht erringen, die er ſuchte und die ihm Bedürfniß war, ſollte er anders mit Ernſt an die Ausführung der Pläne denken, die ſei⸗ nen Geiſt durchkreuzten. Es war unterdeſſen Nacht geworden, und auf ein leiſes Pochen an der Thüre fragend, wer da ſei, erhielt er die Antwort, die Haus⸗ frau gebe ſich die Ehre, ihrem Gaſte Licht zu bringen und nach deſſen Befehlen zu fragen. Flaxmann ver⸗ barg ſeine Heiligthümer wieder in die Kapſel und öff⸗ nete die Thür. Die Wirthin trat ſchüchtern herein, überreichte ein paar Kerzen und erwartete ſo die ge⸗ wünſchten Befehle. Als dieſe nicht erfolgten, wagte ſie es, einige Vorſchläge, das Abendeſſen betreffend, zu thun, welche der junge Mann ohne Weiteres an⸗ nahm.

Nach einer Stunde brachte die Wirthin das Eſſen; er nahm zerſtreut einige Biſſen, maß dann die Stube mit heftigen Schritten, und war in ſeine vorigen Träumereien verſunken. Seine Wange glühte zuletzt von Fieberhitze, und ſein Auge blickte düſter; ſeine Fäuſte ballten ſich, und um ſeine Lippen zuckte es wie