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mit ihm zu conferiren. Friederike und Flaxmann füg⸗ ten ihre Grüße an den Kapitän Norcroß hinzu. Flax⸗ mann beurlaubte ſich mit wehmüthiger Wärme vom Fräulein und ging mit der meſſergeſchickten Frau über die Straße. Der Trödler, auch Schneidermeiſter und Negociant, empfing ihn ſchon an der Ladenthüre mit Bücklingen und einem Schwall unſinniger Redensar⸗ ten, und ſeine Frau, das Ebenbild ihrer Mutter, mit einem Säugling auf dem Arme, zwei Kindern an der Seite und noch verſchiedenen im Schlepptau ihres wei⸗ ten vornehmen Rockes, Kapitalſtück aus der Trödel⸗ bude ihres Mannes, ſprach beſtändig von der Ehre, die ihnen widerführe. Des kleinen hohläugigen Man⸗ nes Beſtrebungen gingen zuvörderſt dahin, ſeinen neuen Hausgenoſſen erſt zum Manne zu machen, d. h. ihm einen Rock mit Zubehör an den Leib zu ziehen, und er bot, den verdrießlichen Flaxmann vor ſeine Vorrathsſchränke führend, all' ſeine weitſchweifige Beredtſamkeit auf, dem ſchlecht Gekleideten zu beweiſen, wie höchſt nöthig es in der Welt ſei, ſtets ſtandesgemäß gekleidet zu ſein, ſelbſt in dem Falle, daß man keinen Stand habe. Was man nicht habe, müſſe man ſich zu erwerben trachten, und die erſte Stufe zu Stand und Reich⸗ thum ſei ein vornehmes Kleid. Flaxmann ſchützte Er⸗ ſchöpfung von der Reiſe vor und bat, da er doch an dieſem Tage nicht ausgehen werde, ihn morgen mit dem Nöthigen zu verſehen, und ließ ſich auf's Zimmer bringen. Sobald er ſich dort allein ſah, warf er ſich auf das unförmliche Ruhebett, und überließ ſich einem ſchmerzlichen Gefühl, bis eine dumpf brütende Angſt vollen Beſitz von ſeiner Seele nahm.
„Wie?“ rief er endlich aufſpringend,„iſt das Scheu mit dem König zu reden? Endlich einmal mit meinem Geheimniß hervorzutreten? Ich mit einem


