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muß ſeine Ambition haben.“ Während dieſer Reden ſchöpfte ſie mit einem kleinen blanken Kupfertopfe aus einer hinter dem Ofen eingemauerten Kupferblaſe warmes Waſſer, holte vom Kandelbret über der Kam⸗ merthüre das große meſſingne Barbierbecken herab, zog aus einem ungeheuern Tiſchkaſten eine Kapſel voll Barbiermeſſer und den Streichriemen, ſtrich das Meſſer hurtig und ſchlug dann Seifenſchaum im Becken. Der kleine Kellner hing dem Spion die Serviette um, Frau Ankarfield ſeifte ihm Kinn und Backen mit ge⸗ wandter Hand ein, und begann mit geſchickten Zügen und Wendungen ihm den Bart abzunehmen. Man ſah es ihr an, daß ſie ſich eine Ehre daraus machte, die Männer alſo zu bedienen. Nach vollbrachter Arbeit ſagte ſie pathetiſch:„Ich habe die Ehre, Euere Die⸗ nerin zu ſein,“ und reichte mit einem Selbſtgefühl, wie es den Menſchen meiſt nach einer vollendeten guten That zu überkommen pflegt, dem Knaben das Becken dar, welcher daſſelbe ſofort reinigte, mit friſchem Waſſer füllte und dem Schiffsmann das glatt raſirte Geſicht rein wuſch und abtrocknete. Der Junge wandte ſeinen Eifer dann zu dem benutzten Meſſer, und Flax⸗ mann ſah, wie während der Geſchäftigkeit des Kleinen der Spion eins der Meſſer aus der Kapſel zog und am Finger prüfte.
Frau Ankarfield bat ſich die Ehre aus, ihn in ſein neues Logis führen zu dürfen, und verſicherte, das Erkerſtübchen werde eben geräumt und das gnä⸗ dige Fräulein bald zur Ruhe und Ordnung kommen. Sodann befahl ſie dein ſcheidenden Juel viele Grüße an Meiſter Habermann an, und ließ ſich die Ehre ausbitten, ſie ja morgen bei frühem Tage mit ſeiner ihr höchſt angenehmen Gegenwart zu erfreuen, weil ſie die Ehre haben werde, über höchſt wichtige Dinge


